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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Der Arzt als Gesundheitsmanager

In Oberösterreich startete ein Fortbildungs-Curriculum zum Thema Gesundheitsmanagement. Dieser Bereich wird gerade von Personen ohne viel Fachkenntnis erobert. Neue Berufsbezeichnungen sprießen aus dem Boden, so zum Beispiel der „Wellness-Coach“. Höchste Eisenbahn, dass sich die Ärzteschaft um dieses lukrative Betätigungsfeld selbst kümmert und Qualitätsmaßstäbe setzt.

Wer aktuelle Kurskalender aufschlägt, findet auf Anhieb mindestens fünf verschiedene Ausbildungsangebote rund um die Themenfelder Gesundheitsmanagement und Vorsorge. Der Kreativität an Namensfindungen sind keine Grenzen gesetzt: Vom „Wellnesscoach“ bis zum „geprüften Healthmanager“ – einschlägige berufliche Vorerfahrungen oder gar eine medizinische oder sonstige Ausbildung werden meist nicht vorausgesetzt. Höchstens eine gut gepolsterte Brieftasche. „In ganz Österreich hängen in Fitnessstudios oder auch Solarien Schilder mit der Aufschrift ‚Gesundheitszentrum’ auf“, analysiert der Linzer Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Marks. Hinter dieser Fassade verbergen sich sehr unterschiedliche Angebote, die sich vor allem durch fehlenden qualitativen Hintergrund und gesalzene Preise auszeichnen. „Trotzdem haben diese ‚Zentren’ oft guten Zulauf“, bedauert Marks, „auch wenn die Betreuung keine Auswirkungen auf die Gesundheit hat oder gar Symptome verschlimmert.“ Auch in diversen Firmen sind Absolventen der diversen „Gesundheitsakademien“ zunehmend gefragt – „hier geht es um das durchaus lukrative Feld der Betriebsmedizin“, so Marks.

Vorsorge- und ­Gesundheitsmanagement

Es wäre also höchste Zeit, dass hier Ärzte einen Kontrapunkt setzen oder sich zumindest in diverse Ausbildungsangebote einklinken. Das in der oberösterreichischen Ärztekammer angesiedelte Institut für Vorsorge- und Sozialmedizin (IVS), dessen Obmann Marks ist, hat daher ein Curriculum unter dem Titel „Vorsorge- und Gesundheitsmanagement“ erarbeitet. Dieses umfasst sechs je eintägige Module, die vertiefende Informationen zu zentralen Themen wie Herz-Kreislauf-System und Ernährung, Wirbelsäule und Bewegungsapparat, Gendermedizin und Reisemedizin sowie juristische Grundlagen vermitteln. Dazu gibt es ein umfassendes Kompendium des IVS mit weitergehenden Daten, an dem auch Marks mitgearbeitet hat: „Dieses wird in den nächsten Wochen sowohl den Teilnehmern des Curriculums als auch allen oberösterreichischen Ärzten kostenlos zur Verfügung gestellt beziehungsweise kann auch von Ärzten aus anderen Bundesländern bestellt werden.“ Das Curriculum kann durch Fundraising um 500 Euro angeboten werden und startete erstmals im Jänner mit knapp 40 Ärzten, zum Großteil Allgemeinmediziner. „Wir haben sehr viele Anfragen, das Curriculum soll künftig mindestens zweimal im Jahr angeboten werden“, blickt Marks in die Zukunft. Am Ende dieser Fortbildung erhalten die Teilnehmer ein schildfähiges Zertifikat „ärztlich zertifizierter Gesundheitsmanager“.

Qualitätssicherung durch Ärzte

Diese Ärzte würden dann im Rahmen der Ordination oder auch in diversen Institutionen Gesundheitszentren leiten können, „die ihren Namen tatsächlich verdienen, weil die Qualität entsprechend abgesichert ist. Im Curriculum vermittelt wird auch, wie multidisziplinäre Teams aufgebaut und wie die Angebote solcher Zentren konkret aussehen können“. Dieses kann sich dann unter anderem aus Gesundheitschecks, Informations- und Kursangeboten rund um die zentralen Bereiche Ernährung, Bewegung, Stressmanagement usw. sowie umfassender Lebensstilberatung zusammensetzen. Absolventen können sich aus der Sicht von Marks aber auch Firmen als Experten anbieten. Marks verweist in diesem Zusammenhang auf eine eigens zusammengestellte CD-Rom, die zahlreiche Fachvorträge zu aktuellen Gesundheits- und Vorsorgethemen in Form von Power-Point-Präsentationen enthält. „Diese CD kann natürlich auch für Vorträge in anderen Zusammenhängen eingesetzt werden, etwa bei Aktionen mit den ‚Gesunden Gemeinden’“, ergänzt Marks. Das IVS wird neben dem Curriculum auch Module anbieten, die von den Absolventen als vertiefende Angebote genutzt werden können.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 7/2005

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