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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Musterpraxis-Arzt befürchtet „Troubles“

Die parallel zur e-Card-Einführung vorgeschriebene Krankenscheinpflicht sollte laut Dr. Milan Kornfeind, Arzt der Musterpraxis in Trausdorf, zum Wohle der Patienten abgeschafft werden.

Zwar funktioniere die Chipkarte in seiner seit 13. Dezember installierten Musterpraxis problemlos. Die Implementierung in seine Ordinations-Software sei aber entgegen den Zusagen bisher noch nicht erfolgt. Und für die Übergangsphase bis zum Jahresende befürchtet Kornfeind in den Praxen Probleme mit verärgerten Patienten, weil sie bis dahin sowohl die Chipkarte als auch den Krankenschein mitbringen müssen. Derzeit wird der elektronische Krankenschein-Ersatz von den rund 2.500 Stammpatienten Kornfeinds in dessen beiden Praxen in Trausdorf und Oslip im Burgenland getestet. Ab 28. Februar soll der Probebetrieb in den Bezirken Eisenstadt, Eisenstadt-Umgebung, Rust und Neusiedl/See starten. Ab Ende Mai wird dann begonnen, flächendeckend an alle Österreicher die Karten per Post zu versenden. Diese Prozedur soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Der Hauptverband und das Gesundheitsministerium versichern die Einhaltung dieses Zeitplans. Kornfeind sieht für den Probebetrieb aber ein Problem. Nach der derzeit gültigen Rechtslage werden alle Patienten bis Jahresende, auch wenn sie die E-Card schon haben und ihr Arzt das System installiert hat, zusätzlich noch den Krankenschein mitbringen müssen. Der Mediziner wünscht sich von der Politik, das noch zu ändern, weil „sonst gibt‘s Troubles“. Die Patienten könnten verärgert sein und sich weigern, die E-Card zu benutzen, wenn sie ohnehin den Krankenschein zusätzlich brauchen, warnt Kornfeind. Das Gesundheitsministerium winkt jedoch ab. Christoph Hörhan, der Sprecher von Ministerin Maria Rauch-Kallat, betonte, dass man diese Regelung „ganz bewusst“ so gemacht habe. Man könne den Krankenschein erst dann aus dem Verkehr ziehen, wenn man sicher sei, dass die E-Card funktioniere. Bei einem so großen Projekt müsse man „auf Nummer Sicher“ gehen. Die Parallelität müsse für die Sicherheit der Patienten in Kauf genommen werden.

Gesundheitsministerium glaubt nicht an Ärger

Wenn der Krankenschein schon vorher abgeschafft würde, könnte ein Patient mit E-Card auch in einem Gebiet, in dem die Chipkarte noch nicht installiert ist, dann nicht zum Arzt gehen. Hörhan glaubt auch nicht, dass die Patienten allzu sehr verärgert sein werden, weil sie den Krankenschein ohnehin noch gewohnt seien und einen langsamen Übergang befürworten würden. Ein weiterer Grund sind aber auch die Gebühren. Hörhan bestätigte, dass „keine Lücke“ entstehen dürfe. Die Chipkartengebühr von zehn Euro pro Jahr wird erst ab 2006 eingehoben. Wenn die Patienten nun bis dahin ohne Krankenschein zum Arzt gehen könnten, würde den Kassen die Krankenscheingebühr entgehen. Die Chipkarte selbst funktioniert in der Musterpraxis problemlos, berichtet Kornfeind. Binnen fünf Sekunden habe er die Bestätigung, dass der Patient versichert sei. Allerdings sei es noch etwas kompliziert, weil das System unabhängig von seinem Ordinations-System arbeitet. Ursprünglich hätte es schon im Jänner in die Ordinations-Software integriert werden sollen. Kornfeind hofft nun, dass dies nächste Woche geschieht. Ein Sprecher der Chipkartengesellschaft des Hauptverbandes erklärte dazu, dass diese Implementierung Angelegenheit der Software-Firma des Arztes sei. Die Chipkartengesellschaft betreue zwar die Software-Firmen und gebe ihnen Informationen, grundsätzlich müsse sich aber der Arzt darum kümmern. Auch die Kosten dafür habe der Arzt zu tragen.

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