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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Wahlärzte setzen auf mehr Zeit und mehr Service

Rund 7.000 Wahlärztinnen und -ärzte ordinieren derzeit in Österreich. Schon Ende dieses Jahres soll es mehr Wahl- als Kassenärzte geben.

Die Steigerung des Bekanntheitsgrades in der Bevölkerung sowie der Wunsch nach einer schlagkräftigen Interessensvertretung standen bei der Gründung des Vereins „Wahlärzte Österreich“, der vergangene Woche der Öffentlichkeit präsentiert wurde, im Vordergrund. „Die Patienten wissen zu wenig über Wahlärzte. Oft verstehen sie gar nicht, warum sie beim Wahlarzt ein Honorar leisten müssen und keinen Krankenschein abgeben können“, erläuterte Vereinspräsident Dr. Christoph Reisner die Gründe für die Vereinsinitiative. Reisner, der sich seit 2003 als Vizepräsident der Ärztekammer für Niederösterreich vorwiegend für die Belange der Wahlärzte einsetzt, möchte gemeinsam mit der Wahlärztin und Gynäkologin Dr. Barbara Maringer-Hamböck potentzellen Patienten eines klar machen: „Wahlärzte können eine Leistung anbieten, die im kassenärztlichen System oft zu kurz kommt, nämlich Zeit.“

Stolpersteine ausräumen

Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören für den neuen Verein deshalb auch die Themen Rezeptierung sowie Refundierung der Wahlarztkosten durch die Krankenkassen. Maringer-Hamböck: „Wenn eine Patientin aus meiner Wahlarztpraxis in Schwechat ein Rezept in der Apotheke vorlegt, wird dies im Regelfall wie das Rezept eines Kassenarztes behandelt.“ Das gleiche Rezept in einer Ordination in Wien ausgestellt, bedarf allerdings einer Bestätigung durch die Gebietskrankenkasse.Ähnliche Unklarheiten bestehen bezüglich der Refundierung der Wahlarzthonorare. „Gesetzlich vorgeschrieben sind 80 Prozent des Kassenhonorares für die jeweilige in Rechnung gestellte Leistung“, erklärt Reisner. „In der Praxis kommt es, aufgrund vieler Sonderregelungen, nicht selten zu einer Reduktion der Refundierung auf 20 Prozent.“

Umständliche Chefarztpflicht

Auch die Chefarztpflicht gestaltet sich für die Wahlärzte schwierig. So besteht nach wie vor die Möglichkeit, die PatientInnen mit dem Rezept zum Chefarzt zu senden. „Ebenso möglich ist es aber auch, dass die Apotheke, bei der das Rezept eingereicht wird, die Genehmigungsprozedur übernimmt“, sagte Maringer-Hamböck. Zusätzlich können Wahlärzte sich aber auch selbst um die chefärztliche Genehmigung kümmern. Diese Problemfelder will der Verein bearbeiten. „Gleichzeitig wollen wir die Patienten vom Vorteil eines Wahlarztbesuches überzeugen“, sagte Reisner. Neben einem verbesserten Zeitangebot können Wahlärzte vor allem mit Zusatzangeboten bei ihren PatientInnen punkten. Reisner: „So werden zum Beispiel komplementärmedizinische Angebote sehr gerne angenommen.“ Potenziellen Wahlarztkollegen raten Maringer-Hamböck und Reisner zur sorgfältigen Auswahl des Sonderfachs, in dem sie tätig sein wollen. „Im Bereich Allgemeinmedizin wird der Wahlarzt noch nicht sehr gut angenommen“, sagte etwa Reisner. Hier sind erst fünf Prozent der niedergelassenen Ärzte ohne Kassenverträge. Gute Chancen für neue Kollegen sieht Maringer-Hamböck in der Gynäkologie, Dermatologie, Chirurgie und Orthopädie. Der Verein Wahlärzte Österreich ist bis dato in Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark vertreten.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 4/2005

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