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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Köpferauchen in der Wiener Kammer

Die Wiener Ärztekammer blickt in die Zukunft. In einer Ärztebefragung wurden Ende 2004 Reformwünsche erhoben, die eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Fraktionen im Laufe dieses Jahres hinsichtlich möglicher Reformmaßnahmen diskutieren wird. Erste Ergebnisse sollen noch vor dem Sommer vorliegen, um noch vor Jahresende Entscheidungen treffen zu können.

Weniger Kammerumlage, mehr Basisdemokratie sowie eine Trennung von Kernleistungen für alle Mit-glieder und spezifischen Aktivitäten für einzelne Ärztegruppen. Diese Anliegen brachten die Teilnehmer der Befragung mehrheitlich zum Ausdruck (siehe ÄRZTE WOCHE Nr. 1/2 vom 13.1.2005, S. 19).
Die Vollversammlung im Dezember 2004 hat eine Arbeits-gruppe beauftragt, die vom Meinungsforschungsinstitut IMAS erstellten Ergebnisse zu diskutieren und Reformvorschläge zu erarbeiten. Leiter dieses Gremiums ist Prof. Dr. Christoph Gisinger, Mandatar der Vereinigung. „Diese Befragung war eine wichtige Ini-tiative und ein mutiger Schritt, den Präsident Dorner gesetzt hat“, resümierte Gisinger im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. „Marktforschung macht aber nur dann Sinn, wenn man sich an den Ergebnissen entsprechend orientiert und Maßnahmen setzt.“ Er versteht die IMAS-Arbeitsgruppe als „eine Art Zukunftskommission“ für die Wiener Ärztekammer.

Wie werten Sie die Gesamtbeurteilung der Kammer mit 3,4 nach Schulnotensystem?
Gisinger: Das ist wie „halb voll oder halb leer“. Im Grunde genommen lässt sich dieses Ergebnis nicht leicht werten, weil es nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht ist. Es gibt dazu auch keine vergleichbaren Befragungen von vergleichbaren Institutionen. Von Mitarbeiterbefragungen in Betrieben ist allerdings bekannt, dass bei einer generellen Benotung ein Mittelwert – so wie bei uns – das häufigste Ergebnis ist. Dass die Bereiche Fortbildung und interne Kommunikation besonders positiv wahrgenommen werden, freut mich sehr. Fortbildung ist ja eine der Kernaufgaben der Standesvertretung und die interne Kommunikation beeinflusst das Gruppengefühl. Dass die Bereiche Abgaben und Zahlungen besonders kritisch beurteilt werden, ist nicht wirklich überraschend, weil sie in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand der Diskussion waren. Trotzdem sind die Ergebnisse der Mitgliedserbefragung Anlass genug, sich zu überlegen, wie man die Geldmittel der Ärzte in Zukunft so einsetzen kann, dass deren Zufriedenheit steigt.

Mandatare kleinerer Fraktionen drängen auf weitere Sparmaßnahmen. Welche Möglichkeiten sehen Sie?
Gisinger: Beim Thema Sparen sollten wir nicht denselben Fehler machen wie die Gesundheitspolitik, wo vor lauter Sparen darauf vergessen wird, dass wir eigentlich eine gute Medizin anbieten sollen. Die Herausforderung, der sich die Kammer stellen muss ist, welche Schwerpunkte wir in unserer Arbeit in ­Zukunft betonen müssen. Das kann sehr wohl bedeuten, dass man im einen oder anderen Bereich weniger braucht. Dabei muss die Diskussion weg von der Effizienz und hin zur Effektivität: das Wichtige tun, das Unwichtige lassen.

Eine Reduzierung der Kammerumlage wird mehrheitlich gefordert.
Gisinger: Dabei kann nur eine weitere Senkung Thema sein, weil in den letzten Jahren bereits erhebliche Reduzierungen erfolgt sind. Grundsätzlich sind bei den Tarifmodellen zwei Extreme möglich: All in one oder a la carte. Ich glaube aber, dass man in der Standesvertretung differenzierte Modelle benötigen wird und nicht nur diese beiden Extreme. Zum Auftrag der Arbeitsgruppe gehört jedenfalls auch, über Wahlmöglichkeiten nachzudenken.

Das wird aber nicht ohne Reduzierung von Leistungen gehen.
Gisinger: Außer Frage steht, dass man in jeder Organisation Leistungen günstiger erbringen kann, indem man die Effizienz steigert. Laut Untersuchungen aus der Wirtschaft hat jede Organisation, in der es längere Zeit keine Veränderungen gibt, ein Effizienzpotenzial bis zu 20 Prozent. Wie mit dem Rasenmäher zu kürzen, macht aber keinen Sinn. Erster Schritt der Arbeitsgruppe ist deshalb eine strategische Planung des Dienstleistungsbündels. Dann ist die Frage zu klären, was das kostet, und im dritten Schritt werden mögliche Tarifmodelle zu erarbeiten sein. Das Einzige, was fix ist: Es wird sich einiges verändern müssen.

Wie ist der Zeitplan der Arbeitsgruppe?
Gisinger: Erste Zwischenergebnisse sollen zur Sommervollversammlung vorliegen, um die weitere Richtung festlegen zu können. Mein Ziel ist, bis zur Wintervollversammlung Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Realistisch gesehen, ist es nicht leicht, in dieser Konstellation Ergebnisse zu erzielen. Es geht aber nicht darum, alle auf ein Ergebnis zu vergattern, sondern ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, nach welchen Prinzipien die Dienstleistungen der Ärztekammer in Zukunft positioniert werden.

Herbert Hauser, Ärzte Woche 4/2005

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