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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ein Vorbild für Auslagerung

Wenn sich alle einig sind, geht es auch. Niedergelassene Ärzte im Bezirk Mödling haben das Angebot des Thermenklinikums angenommen und liefern seit 1. Jänner 2005 die Laborbefunde für Patienten.

Die extramuralen Strukturen aufwerten, lautete ein Credo der Koalitionsregierung in der letzten Funktionsperiode. Politische Weichenstellungen dafür lassen aber nach wie vor auf sich warten. Im Bezirk Mödling hat sich – quasi aus Eigeninitiative – seit Beginn des Vorjahres ein „Praxisnetzwerk“ aus niedergelassenen Fachärzten und Allgemeinmedizinern etabliert und mit Jänner 2005 eine neue, herausfordernde Aufgabe übernommen.„Im Vorjahr ist das Thermenklinikum Mödling an die niedergelassene Ärzteschaft mit der Ankündigung herangetreten, ambulante Laborleistungen gänzlich an den extramuralen Bereich der Region abgeben zu wollen“, berichtet Dr. Johann Jäger, Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich. Betroffen wären davon auch Leistungen am Standort Baden. Für stationäre Patienten würden sich durch das Projekt keine Veränderungen ergeben. Ein Umfrage unter den Ärzten der Region ergab ein klares Votum: Sie erklärten sich zur Übernahme der Leistungen bereit, auch wenn manche Ordinationen dafür investieren müssen. Zum Teil kann die bereits gut eingespielte Kooperation mit externen Labors ausgeweitet werden. Der im Netzwerk mögliche rasche und sichere Austausch von Befunddaten kommt dem Projekt zugute. So kann auch künftig beispielsweise die rasche Blutgerinnungskontrolle bei Marcoumar-Einstellung sichergestellt werden. Jäger sieht in diesem Projekt einige Potenziale und einen Vorbildeffekt für die weitere Entwicklung des Gesundheitssystems, gemäß dem Motto: „So viel wie möglich extramural, alles, was notwendig, intramural“. „Es geht vor allem auch um die Qualität des Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und betreuendem Arzt“, betont der Kurienobmann. In Ambulanzen wäre dieses angesichts der oft hohen Fluktuation beim Personal und der Zeitstrukturen im Spital nicht so leicht möglich.

Vorteil der Hausärzte: beste Vertrauensbasis

Der Hausarzt als lebenslanger Begleiter von Patienten hat die beste Vertrauensbasis. „Natürlich profitieren die Patienten von diesem Projekt auch in organisatorischer Hinsicht“, ist Jäger überzeugt. „Oft können zusätzliche Termine, Wartezeiten und Wege vermieden werden.“ Dies komme der Versorgungsqualität zugute. Das niederösterreichische Projekt kann auch insofern vorbildhaft wirken, da die Arbeit der im Praxisnetzwerk involvierten Mediziner nicht nur gemeinsam, sondern auch von außen evaluiert wird. Das gilt genauso für die Übernahme der Laborleistungen aus dem Thermenklinikum Mödling. Diese Klarheit fehlt noch beim Thema Kostenverlagerung, weitere Gespräche darüber stehen an. „Es ist keine Frage, dass niedergelassene Ärzte viele Leistungen für den ambulanten Bereich mit gleicher Qualität und Professionalität, dem erwähnten Vertrauensbonus und wahrscheinlich auch ökonomisch günstiger abwickeln können“, ist Jäger überzeugt. Sie müssten aber von den Ersparnissen im Spitalsbereich letztlich auch profitieren. Im derzeitigen Modell der Landesagenturen sind für Projekte im Schnittstellenbereich finanzielle Mittel vorgesehen – das Mödlinger Modell wäre ein idealer Anlass, diese sinnvoll einzusetzen. In den kommenden Monaten sollen genaue Analysen Einblick geben, wie sich die Laborleistungen bei den niedergelassenen Ärzten in der Region entwickeln, unter anderem hinsichtlich der Limitierungen bei der Abrechnung. Das gilt auch für die Entwicklung der Geschwindigkeit von Befundauswertungen bzw. die Konsequenzen auf die Kooperation sowie Kommunikation mit Ambulanzen in allen Bereichen.„In intensiven kontinuierlichen Gesprächen zwischen Land, Krankenkassen, Nögus und Ärzteschaft werden diese Entwicklungen auch in Bezug auf die Qualität der organisatorischen Abläufe gemeinsam einer Analyse unterzogen“, betont Jäger. „Es wäre sicher der falsche Weg, Leistungen einfach auszulagern, ohne dass es ganz konkrete Konsequenzen und unterstützende Rahmenbedingungen im nieder-gelassenen Bereich gibt.“

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