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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ärzte stellen sich dem fachlichen Diskurs

In Tirol entsteht derzeit eine Plattform, über die Ärzte aus allen Bereichen und Fachgebieten ein direktes gegenseitiges Feedback wahrnehmen und damit Qualitätssicherung umsetzen können.

„Die Idee zur ‚Plattform für Ärzte in Kooperation’ entstand bei einem Seminar beim Kongress für Allgemeinmedizin im Vorjahr in Innsbruck“, berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Herbert Bachler. Thema war der Umgang mit Kon­flikten zwischen Ärzten bzw. zwischen Ärzten und Patienten, vor allem auch Differenzen, die bei der Zusammenarbeit von Ärzten auftauchen. „Damals entstand der Wunsch, über das Seminar hinaus Probleme aktiv anzupacken und nicht nur in einem kleinen Kreis darüber zu diskutieren“, resümiert Bachler.„In unserem Gesundheitssystem geht es immer stärker um funktionierende und transparente Teamarbeit zwischen intra- und extramuralem Bereich sowie zwischen Ärzten verschiedener Fachrichtungen“, meint der Allgemeinmediziner. Der Patient sei dabei ein teilnehmender Partner, „der diese unterschiedlichen Kooperationen nicht nur miterlebt, sondern auch in seinen Genesungsprozess einbaut, also eine aktive Rolle hat.“

Wahrnehmungsberichte von Patienten gehören dazu

Ein Teil dieser Rolle sind Wahrnehmungsberichte über die Art und Weise der Betreuung, wie sie ein Patient bei einem anderen Arzt – egal ob im Spital oder im niedergelassenen Bereich – gemacht hat. „Diese wichtige Erfahrungsschiene geht leider meist verloren“, bedauert Bachler, „das Feedback wäre aber eine wertvolle Rückmeldung für die Reflexion des eigenen medizinischen Handelns.“ Genauer analysiert wird dabei der eingeschlagene Weg bei Diagnose und Behandlung mit allen Zwischenstationen. „Es geht damit ebenso um den aktiven Umgang mit der häufig anzutreffenden Angst, man könnte einen Patienten durch Überweisung an andere verlieren und die Angst, der Patient würde beim Kollegen nur Schlechtes über den Zuweiser und seine Methoden zu hören bekommen“, erläutert Bachler. Entsprechende Vorurteile oder gemachte Erfahrungen könnten auch dazu führen, dass bestimmte Behandlungspfade ungangbar werden, nur weil die handelnden Personen sich gegenseitig misstrauen oder eine schlechte Meinung vom anderen haben. Zu wenig oder gar kein gegenseitiges Feedback gibt es oft auch in Bezug auf vorgeschlagene Diagnose- und Behandlungsmethoden. Beispielsweise werde bei einer Abklärung aus Sicht des Zuweisers zu ungenau auf die eigentliche Fragestellung eingegangen.

Professionelles Teamwork

Die „Plattform für Ärzte in Kooperation“ soll in allen genannten Bereichen Verbesserungen bringen und Teamwork professioneller machen. „Behandlungspfade werden so um Ärztepfade ergänzt“, betont Bachler. Ärzte, die an einer solch intensiven Form gegenseitiger Rückmeldungen und direkter Kommunikation interessiert sind, können sich auf einer Liste eintragen lassen. Diese wird von Bachler mit Unterstützung der Tiroler Ärztekammer sowie der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin organisiert.„Damit wird die Bereitschaft bekundet, sich einem fachlichen Diskurs zu stellen, der direkt auf den jeweiligen Fall bezogen ist“, betont der Allgemeinmediziner. Die Ärzte nehmen dann direkt miteinander Kontakt auf. Wenn solche Diskurse nicht befriedigend laufen oder Konflikte eskalieren, kann der von Bachler mitgetragene Verein für Psychodynamische Organisationsberatung kontaktiert werden. Die Eintragung in die Liste ist kostenlos und erfolgt per E-Mail an bzw. über die Telefonnummer 0699/11-63-57-43. In den kommenden Wochen werden Namen gesammelt und dann die vollständige Liste an alle, die sich eingetragen haben, versendet.„Es geht bei diesem Projekt auch um einen professionellen Umgang mit Patientenbeschwerden“, ergänzt Bachler. Zu oft würden diese heruntergespielt oder blieben eben nur bei einer Person „hängen“, ohne dass sie zum eigentlich Betroffenen oder zum Team kommen. Aus Bachlers Sicht sei diese Plattform auch ein Weg, Qualitätssicherung aktiv von Seiten der Ärzte zu gestalten, „ohne dass diese von oben aufoktroyiert wird“. Die direktere Kommunikation und der Diskurs über gewählte Methoden seien wichtige Bausteine für die eigene kontinuierliche Fortbildung.

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