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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Gericht gibt einem Patienten gegen Krankenkasse Recht

Vorerst aufatmen kann ein Herzinfarktpatient, der im Vorjahr die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) verklagt hat: Das Urteil des Arbeits- und Sozialgerichtes ist für ihn positiv ausgefallen.

Das Gericht hat geurteilt, dass Herbert J. nun doch nicht wöchentlich 1.200 Gramm rohen Rotbarsch, 9.200 Gramm Kabeljau oder 460 Gramm Lachs essen muss, um die Dosis an Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen, die notwendig ist, ein Fortschreiten seiner Krankheit zu verhindern. Zum Hintergrund: Am 6. März 2003 lehnte die WGKK den Antrag des schwer Herzkranken auf Gewährung des Präparates Omacor® ab. Seine Ärztin hatte ihm die Kapseln, die hochkonzentriertes, gereinigtes Fischöl enthalten, verordnet, um das Risiko eines plötzlichen Herztodes zu senken. Der Hauptverband lehnte ab: Der Patient könne das hochkonzentrierte Fischöl auch mit der Nahrung aufnehmen, so die lapidare Begründung.
Herbert J. wandte sich an den österreichischen Herzverband um Beistand. „Es kann nicht sein, dass in Österreich Herzinfarktpatienten lebensnotwendige Medikamente verwehrt bleiben“, so Helmut Schulter, Bundesgeschäftsführer des österreichischen Herzverbandes. „Wir werden nicht müde, bei den Chefärzten aufzumarschieren, um die für uns besten Medikamente zu erlangen. Wenn zureden nicht hilft, müssen wir prozessieren!“ So wie Herbert J. im Vorjahr. Anwalt Christoph Wolf: „Das Gericht ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme der Omacor®-Kapsel für das Leiden meines Klienten eine anerkannte Behandlungsmethode darstellt.“ Die Therapie mit Omacor® zusätzlich zur Standardmedikation sei notwendig, um ein Fortschreiten der Erkrankung bzw. eine Verschlechterung hintanzuhalten.“ Weiters steht im Urteil, dass die Behandlung mit Omacor® nicht durch diätetische Maßnahmen oder andere Präparate ersetzt werden kann. Im Übrigen sei auch für Laien einsichtig, dass es insbesondere einem Schwerkranken nicht zumutbar sei, sein Leben lang täglich rohen Fisch in nicht unbedeutenden Mengen zu sich zu nehmen. Daher sei die WGKK im Sinne des § 133 ASVG verpflichtet, die Behandlungskosten zu übernehmen. Leider wurde dieses Urteil von der WGKK vorerst nicht akzeptiert, da diese beim OLG Wien Berufung eingereicht hat. „Das heißt wieder monatelanges Warten“, ist der Patient entrüstet.

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