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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Fokus auf den Alltag des Hausarztes

Die Einführung von Instituten für Allgemeinmedizin an allen Medizinuniversitäten Österreichs, die Finanzierung allgemeinmedizinischer Lehrpraxen und eine Chancengleichheit für alle in der Forschungsförderung. Diese Maßnahmen im Sinne der Qualitätssicherung liegen den Allgemeinmedizinern besonders am Herzen. In Oberösterreich soll darüber mehr Information an die Öffentlichkeit kommen.

„Gerade in Oberösterreich wird derzeit viel über die nötigen Reformen im Spitalswesen gesprochen, von Veränderungen im niedergelassenen Bereich ist leider kaum die Rede“, meint der Linzer Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Zillig, der seit kurzem als neuer Vorsitzender der Oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (OBGAM) fungiert.

Einseitige Spitalsreformen

Eine Konstante in allen vorliegenden Konzepten ist die Reduktion von Leistungen im Spitalsbereich. Es wird also auf jeden Fall zu einer Mehrbelastung der niedergelassenen Ärzte, insbesondere auch der Allgemeinmediziner kommen. Dort würden aber, so Zillig, Ressourcen bzw. unterstützende Rahmenbedingungen fehlen: „Eine patientenorientierte Art der Behandlung ist schon jetzt oft unmöglich oder eine Frage freiwilligen Engagements.“ Dazu kommen die Mehraufgaben gerade der Hausärzte durch die Veränderungen der Altersstruktur der Bevölkerung. „Nicht alle älteren Menschen sind automatisch krank, aber die Themenfelder Langzeitbetreuung bei chronischen Erkrankungen sowie Alters- und Palliativmedizin werden noch viel mehr an Bedeutung gewinnen“, ist Zillig überzeugt. Deshalb seien nicht nur dringend Nachbesserungen bei den Verrechnungsposten der Kassen gefragt, sondern auch ein Gesamtkonzept der Gesundheitsversorgung, das den Fokus nicht allein auf Spitäler legt.„Hausärzte wollen weiterhin die ersten Ansprechpartner für den Patienten bleiben und auch ihre Rolle als zentrale Koordinatoren in Gesundheits- und Sozialfragen wahrnehmen können“, betont der neue OBGAM-Vorsitzende. „Dafür sind aber entsprechende Rahmenbedingungen erforderlich.“ Nur so wäre es möglich, die derzeit viel beklagten Doppelgleisigkeiten im Gesundheitssystem zu vermeiden und zu einem effizienteren Einsatz der vorhandenen Mittel beizutragen.
Die Situation und der Alltag des Hausarztes sollen auch in der Arbeit der OBGAM noch stärker in den Mittelpunkt rücken. „In der klinischen Forschung kommen viele gesundheitliche Probleme, die oft einen großen Teil unserer Arbeit ausmachen, zu kurz“, erinnert Zillig. Er denkt dabei vor allem an verschiedene Befindlichkeitsprobleme und psychosomatisch bedingte Störungen. Deshalb möchte die OBGAM ein Forschungsnetzwerk im Bereich der Allgemeinmedizin aufbauen, in das auch Alltagserfahrungen aus der Praxis einfließen können. Ebenso soll es in der Fortbildung verstärkt um diese „kleinen Probleme mit großer Wirkung“ gehen. „Immer mehr Krankenstände fallen an, und der therapeutische Aufwand steigt“, so Zillig. Ein bedeutendes Fortbildungsangebot der OBGAM ist die Frühjahrskonferenz, bei der es heuer um Gefäßmedizin gehen wird. Die Kooperation mit Fachärzten, „die im niedergelassenen Bereich nicht wegzudenken sind“ (Zillig), wird einer der Schwerpunkte sein. Die OBGAM möchte sich zudem noch intensiver für die Förderung von Gruppenpraxen und medizinischen Netzwerken unter Einbeziehung qualifizierter Gesundheitsberufe einsetzen. Um Qualitätsförderung geht es bei der weiteren Umsetzung des Auftrags der Ärztekammer zur Betreuung der vielen Qualitätszirkel in Oberösterreich und die Vernetzung mit anderen Ländern. „Ein wichtiger Punkt dabei ist die weitere Schulung und Begleitung der Moderatoren“, ergänzt Zillig. Weitergeführt werden soll auch die Kooperation mit dem Institut für Qualitätssicherung der Ärztekammer; geplant ist die Erarbeitung weiterer Guidelines für die Praxis mit verstärktem interdisziplinärem Ansatz.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Eine weitere Säule der OBGAM-Aktivitäten soll – stärker als bisher – die Öffentlichkeitsarbeit sein. „Sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder wünschen sich von uns mehr öffentliche Präsenz“, berichte Zillig. Unter anderem wird die Vorsorgemedizin dabei besondere Berücksichtigung finden. „Das ist eine zentrale Aufgabe der Allgemeinmediziner“, betont der neue Präsident, „bei der es auch stark um die Vermeidung von Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem geht.“

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