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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Mehr Frauen in die Kassenpraxen

Die Frauen- und Gesundheitsministerin hat Ende Oktober 2004 die Reihungskriterien zur Vergabe von Kassenstellen per Verordnung neu geregelt. Damit will sie den Frauenanteil unter den Kassenärzten heben. Dieser liegt derzeit knapp über 21 Prozent.

Frauen seien bisher benachteiligt gewesen, da sie durch Geburten und Kindererziehung weniger Punkte für die Wartezeit erzielen konnten, argumentiert Maria Rauch-Kallat. Künftig muss es ein Hearing geben, zu dem neben dem „Gesamtpunktesieger“ auch jene Bewerberinnen eingeladen werden, die bei der fachlichen Qualifikation gleich viele Punkte haben, jedoch weniger Punkte für die Wartezeit aufweisen können. Voraussetzung ist, dass der Anteil an Vertragsärztinnen in einem bestimmten Fachgebiet geringer ist als der Anteil der Frauen in der Bewerberliste. In der alten Verordnung waren Hearings nur für den Fall eines Gesamtpunktegleichstandes vorgesehen. Dazu kam es in den meisten Fällen aber nicht. „Bei unserem System gibt es immer einen klaren Punktesieger und somit kommt es gar nicht zu einem Hearing“, sagt Dr. jur. Michael Kopetz, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Kärnten. Auch in Wien versuchte man bisher so gut es ging, ohne Hearing auszukommen. „Das ist kein geeignetes Instrument zur Bewertung von Freiberuflern“, meint der Wiener Kammerjurist Dr. Thomas Holzgruber. In Wien waren auch ohne ministerielle Verordnung die Frauen in den letzten Jahren bereits stark im Kommen. „Seit 2002 sind mehr als die Hälfte der neuen Kassenstellen weiblich besetzt worden“, sagt Holzgruber. „Besonders hoch ist der Anteil in der Allgemeinmedizin mit 61 Prozent.“ Ein Grund dafür: Die Wiener Reihungsrichtlinie sieht auch Punkte für Mutterschutz- und Karenzzeiten nach der Promotion vor. Schon die alte Verordnung hat es den Länderärztekammern freigestellt, diese Zeiten – so wie jene für Präsenz- und Zivildienst – zu bepunkten. Eine Option, von der man aber nicht überall Gebrauch gemacht hat. In der Allgemeinmedizin hat Wien mit 35,2% Ärztinnen die Nase vorne, das Ländle hinkt mit 9,9% hinten nach.

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