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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Palliativmedizin ist mehr als nur Sterbebegleitung

Nach dem Abschluss der Umbauarbeiten hat die Palliativstation am LKH Hohenems nun ihre endgültige Erscheinungsform erreicht. Die bereits lau fende Station wurde am 4. November feierlich eröffnet, die bisherige Leistungsbilanz ist beeindruckend.

Vorarlbergs Palliativstation ist im ehemaligen „Kaiserin Elisabeth Kran-kenhaus“, dem älteren Teil des LKH Hohenems, untergebracht. Im 1. Stock befinden sich 7 Patientenzimmer mit insgesamt 10 Betten und die dazugehörigen Organisations- und Aufenthaltsräume für Patienten, Angehörige und Personal. Die Station ist seit März 2003 in Betrieb und hat nun ihre endgültige Erscheinungsform erreicht: Die Installation der restlichen Nasszellen sowie die Aufstockung der Bettenanzahl von anfänglich sechs auf heute zehn Betten sind im Sommer abgeschlossen worden; auch das motivierte interdisziplinäre Team, welches für die warme und einnehmende Atmosphäre der Station sorgt, hat zusätzliche Räumlichkeiten erhalten. Ein Raum zum Zurückziehen für Patienten und ihre Angehörigen zur Wahrung einer Privatsphäre wurde in der Konzeption ebenfalls berücksichtigt. Bereits über 200 Menschen mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden oder weit fortgeschrittenen Erkrankung ohne Therapiemöglichkeit zur Linderung haben seit der Inbetriebnahme der Palliativstation im März 2003 für ihre psychischen, spirituellen und sozialen Probleme Hilfe gesucht. Mehr als 55 Prozent konnten nach ihrem Aufenthalt in der Station wieder nachhause entlassen werden.

Die Leistungsbilanz

156 Patienten wurden von März 2003 bis September 2004 behandelt, über 90 Prozent davon hatten eine Krebserkrankung. Es gab aber auch Fälle mit nicht bösartigen Erkrankungen wie Herzmuskelerweiterung, Nierenversagen oder Aids. Die mittlere Liegedauer der Patienten beträgt 16,2 Tage, einzelne Patienten blieben bis zu zwei Monate. „Sterbebegleitung ist nur ein Aspekt unserer Arbeit“, erklärt Dr. Otto Gehmacher. „Häufiger gelingt es, durch gute Symptomkontrolle, vor allem durch Schmerztherapie, den Patienten so zu stabilisieren, dass eine Entlassung in das gewohnte häusliche Umfeld möglich ist.“ Die Schmerz- und Symptomkontrolle besteht hauptsächlich in einer Ursachenbehandlung: Neben Atemnot, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen sind dies auch Verdauungsprobleme, Flüssigkeitszufuhr und Depressionen. Sämtliche Mitarbeiter der Station legen neben der Schmerzkontrolle auch darauf Wert, auf die psychischen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen und ihres sozialen Umfeldes einzugehen. Neben krankheitsbedingten Symp-tomen steht häufig auch die soziale Indikation im Vordergrund: alte Menschen ohne Angehörige, sog. schwierige Patienten, die aufgrund von Suchtproblemen isoliert sind, Überforderung der Familie bei jungen Krebspatienten mit kleinen Kindern im Haushalt. Und manche Patienten werden auch zur Begleitung in der Sterbephase geschickt. Die Zuweisungen erfolgen vom eigenen Spital, von anderen onkologisch orientierten Abteilungen oder niedergelassenen Ärzten.

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