zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Abtreibung auch in öffentlichen Spitälern?

Anlässlich der Schließung einer privaten Salzburger Abtreibungsklinik ist die Diskussion neu entflammt, wo und unter welchen Voraussetzungen Abtreibungen durchgeführt werden können.

Eine Abtreibung durchzuführen, ist unter anderen in den Wiener Gemeindespitälern, dem AKH Linz und der Uniklinik Graz möglich sowie in einigen privaten Institutionen, z.B. in Wien. In Salzburg wurde eine solche Einrichtung vor dem Sommer wegen hygienischer Mängel geschlossen. Nicht nur im Land Salzburg wird seitdem diskutiert, ob Abtreibungen auch an öffentlichen Spitälern möglich sein müssten. Die gesetzlichen Regelungen sind aus der Sicht von Prim. Dr. Gernot Tews, Leiter der Linzer Frauenklinik, klar: Laut diesen ist ein Schwangerschaftsabbruch verboten, bleibt aber straffrei, wenn er innerhalb der ersten drei Monate (gerechnet von der Einnistung) erfolgt. Tews regt an, diesen Zeitraum auf 12 Wochen festzusetzen, gerechnet vom Datum der letzten Regelblutung.„Das Angebot eines ambulanten Eingriffes sollte es gegen entsprechendes Entgelt flächendeckend geben, wobei wahrscheinlich ein Zentrum pro Bundesland reicht“, meint Tews. Besonders wichtig ist dabei auch die Frage der gründlichen Information, Beratung und Begleitung zum Thema Abtreibung. „In Österreich ist die Situation in dieser Hinsicht bei weitem nicht ideal“, betont der Gynäkologe. Denn für diese Tätigkeiten braucht es speziell geschultes Personal und unabhängige Einrichtungen. Außerdem fehlten Statistiken darüber, wie viele Frauen abtreiben und welche Gründe sie dafür haben. In Salzburg entstand ein „Ärzteforum“, das laut eigenen Angaben an die 300 Mitglieder hat. Dessen Sprecherin Dr. Ursula-Maria Fürst, Fachärztin für Innere Medizin, meint: „Es wäre ein falsches Signal, in öffentlichen Spitälern Abtreibungen durchführen zu lassen.“ Aus ihrer Sicht wird der „lebensbejahende Aspekt bei Schwangerschaftsberatungen derzeit zu wenig betont“. Zudem gebe es zu wenig Unterstützungs- und Beratungsangebote.

Vernetzte Unterstützung

Tews sieht eher eine Chance darin, das Thema Abtreibung auch in öffentlichen Spitälern anzugehen: „Hier kann gezeigt werden, wie umfassende und vernetzte Unterstützung von Paaren oder schwangeren Frauen aussehen kann.“ Verbote und Restriktionen würden jedenfalls eher illegale Abtreibungen fördern. Die in Abtreibungsfragen als sehr liberal geltenden Niederlande haben einen im EU-Vergleich hohen Prozentsatz an Frauen, die sich mit verschiedenen Methoden der Verhütung und Sexualität generell intensiv auseinandersetzen, und eine sehr niedrige Abtreibungsquote. Dort ist auch das Beratungsangebot vergleichsweise gut ausgebaut.

Zeit zum Überlegen geben

Aus der Sicht von Doris Schulz, Vorsitzende der Aktion Leben Oberösterreich, geht es neben umfassender Beratung um finanzielle Hilfe etwa durch Patenschaften, „einen ausreichenden Überlegungszeit-raum zwischen Beratung und eventueller Abtreibung und gesellschaftspolitisches Lobbying für die Rechte der Kinder von Anfang an“. Auch sie fordert eine Trennung zwischen beratenden und durchführenden Stellen in Hinblick auf Abtreibung. Weiters wären deutlich stärkere Akzente im Bereich der Sexualpädagogik vom Kindergarten an nötig; hier würde noch viel zu wenig investiert. Ziel wären hier nicht Verbote, sondern ein verantwortungsbewusster Umgang mit Partnerschaft und Sexualität. Auch Dr. Walter Arnberger, Kuriebobmann der niedergelassenen Ärzte in Salzburg, spricht sich dafür aus, „dass Frauen unbedingt eine Bedenkzeit haben, in der sie sich von verschiedenen Stellen beraten lassen können“. Nicht sinnvoll wäre der direkte Gang zu einem Arzt, der die Abtreibung auch sofort durchführt und damit in vielen Fällen auf – durchaus verständliche – Panikreaktionen zu schnell eingeht. „Niedergelassene Gynäkologen sind wichtige Anlaufstellen für die Unterstützung und Begleitung dieser Frauen“, meint Arnberger. „Beratung braucht – abgesehen von Kompetenz und Vertrauen – vor allem Zeit und Raum“, ergänzt Schulz, die den Hausarzt als zentralen Ansprechpartner sowie Berater zum Thema wahrnimmt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben