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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Entwarnung : Mobilfunk ist nicht gesundheitsgefährdend

Rund 40 Studien hat der von Vizekanzler Gorbach ins Leben gerufene Beirat überprüft. Der Befund: Werden die Grenzwerte für elektromagnetische Felder beim Mobilfunk eingehalten, besteht keine Gefahr für den Menschen. Internationale Erhebungen stützen dieses Ergebnis.

Diffuse Beschwerden wie etwa Stress, Müdigkeit und Schlafstörungen werden häufig auf Emissionen von Mobiltelefonen und Sendeanlagen, den „Handymasten“, zurückgeführt. Ebenfalls seit einigen Jahren werden Auswirkungen auf das Zentralnervensystem und eine eventuelle Karzinogenität der Mobilfunkstrahlung diskutiert. Um festzustellen, ob diesen Befürchtungen eine reale Gefahr zugrunde liegt, wurde im vergangenen Jahr von Infrastrukturminister Hubert Gorbach der Wissenschaftliche Beirat Funk (WBF; Mitglieder siehe Kasten) ins Leben gerufen. „Wir hatten die Aufgabe, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder zitierten Studien einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen und zu einer Meinungsbildung hinsichtlich der Frage einer gesundheitlichen Gefährdung durch elek-tromagnetische Felder des Mobilfunks zu kommen“, berichtete WBF-Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Vana, Professor für Dosimetrie und Strahlenschutz an der Technischen Universität Wien, anlässlich der Vorstellung des Konsensus vergangene Woche in Wien.

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Wenig Evidenz-basierte Studien

Um feststellen zu können, ob Mobilfunkstrahlung Auswirkungen auf Tumorentstehung, das ZNS oder die Befindlichkeit des Menschen hat, legte das Consensus-Board im Vorfeld so genannte „Minimalkriterien“ für die zu überprüfenden Studien fest. Dazu gehörten etwa die statistische Nachvollziehbarkeit, Reproduzierbarkeit, eindeutig nachgewiesene Kausalität und die klare Unterscheidung zwischen biologischen Effekten und tatsächlichen Beeinträchtigungen. „Von hunderten Studien, die wir überprüft haben, entsprachen gerade mal 46 diesen Minimalkriterien“, hielt Vana fest. Nach eingehender Prüfung und Diskussion der ausgewählten Studien konnte für keine der drei genannten Fragestellungen eine gesundheitsschädigende Auswirkung festgestellt werden. „Wir konnten keine Veränderung der kognitiven Fähigkeiten finden“, stellte etwa der stellvertretende Vorsitzende des WBF, Prof. Dr. Christian Wolf, Klin. Abt. für Arbeitsmedizin an der Medizinuniversität Wien, fest. „Auch die Schlafqualität war nicht beeinträchtigt.“ Das gleiche gelte für die Befindlichkeit des Menschen. „Wir haben vier Studien beurteilt, die unseren Kriterien entsprachen“, erläuterte Wolf. „Eine Kausalität von Befindlichkeitsstörung und der Exposition durch elektromagnetische Felder im Zusammenhang mit Mobilfunk war nicht gegeben.“

Onkologisch derzeit keine Zusammenhänge belegt

Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und einer erhöhten Tumorhäufigkeit konnte auch WBF-Mitglied Prof. Dr. Heinz Ludwig, Vorstand der 1. Med. Abt. mit Onkologie am Wilhelminenspital Wien, nicht feststellen. Er weist in seinem Befund allerdings darauf hin, dass eine kanzerogene Einwirkung erst nach längerer Expositi-onsdauer zu nachhaltigen Effekten führt und somit die Nachbeobachtungsdauer für eine definitive Bewertung derzeit noch zu kurz sei. Auch Ludwig sieht allerdings „keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mobilfunkanwendung und erhöhter Tumorinzidenz, insbesondere in Bezug auf Akustikusneurinome und Aderhautmelanome“. Der WBF kam in seinem Konsensus zu dem Schluss, dass die Ergebnisse der derzeit laufenden internationalen Studien abgewartet werden müssten. Dann sollte dieses Thema vom Beirat erneut diskutiert und bewertet werden.

Konsensuale Entscheidung

Nach einer Bewertung und einer eingehenden Diskussion kam der WBF einstimmig zum Ergebnis, dass es „nach derzeitigem Stand der Wissenschaft keinen Nachweis für eine Gefährdung der Gesundheit durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation und von der International Commission on Non-Ionising Radiation Protection (ICNIRP) empfohlenen Grenzwerte gibt.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 40/2004

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