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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Praxisprobleme gemeinsam auf Herz und Nieren prüfen

In Oberösterreich gibt es inzwischen mehr als 50 ärztliche Qualitätszirkel. Ziel ist, dass jeder niedergelassene Arzt in seiner Region die Möglichkeit zur Teilnahme an einer solchen Runde hat.

„Ein Qualitätszirkel ist nicht einfach eine Diskutierrunde am Stammtisch“, betont der Allgemeinmediziner Dr. Harald Berger aus Marchtrenk/OÖ. „Die Teilnehmer schlagen Themen vor, die unmittelbar aus dem Praxisalltag kommen und dann in einem Kreis Gleichberechtigter behandelt werden.“ Diese Themen werden vor dem nächsten Treffen von jedem Teilnehmer vorbereitet, z.B. durch einen kritischen Blick in die Patientenkartei sowie Strukturen und Abläufe der Ordination. Unterschiedlich intensiv wird vorher auch Literaturstudium betrieben, um einen wirklich intensiven Austausch zu ermöglichen.

Bereichernder Austausch

„Verschiedene Themen und Probleme aus dem Praxisalltag offen besprechen und Erfahrungen austauschen zu können, wird von den Teilnehmern als sehr bereichernd und unterstützend beurteilt“, berichtet Berger von Rückmeldungen. „Ein solches Thema ist zum Beispiel, welche Fehler im medizinischen Alttag passieren und wie diese vermeiden werden können.“ Die Qualität und der nötige „Tiefgang“ dieser Gruppensitzungen seien zudem durch die Moderatoren sicher gestellt. Das sind Ärzte, die eine Ausbildung der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin absolviert haben und die sich mindestens einmal im Jahr zur Fortbildung und Intervision treffen. Die konkrete Ausformung der Qua-litätszirkel ist unterschiedlich und wird auch von den Interessen der jeweiligen Teilnehmer geprägt. So gibt es in OÖ 9 Zirkel, an denen nur Allgemeinmediziner teilnehmen, so-wie 16 Fachärzte-Zirkel. Der „Ärztering Wels“ arbeitet, wie vier andere Zirkel, fächerübergreifend. Bei den Treffen, die fünf- bis zehnmal im Jahr stattfinden, werden teils auch Experten von außen eingeladen oder wissenschaftliche Literatur gesichtet. „Qualitätszirkel bringen Inhalte immer stärker auch in Publikationen, Leitlinien oder Fortbildungsveranstaltungen für alle Ärzte ein“, ergänzt Berger. Jeweils für ein Jahr wird die Teilnahme an einem Qualitätszirkel mit Punkten für das Diplomfortbildungsprogamm der Ärztekammer honoriert; damit kann ein Drittel der erforderlichen Punkte gesammelt werden. Dann muss die Gruppe neu entscheiden, ob sie weiter machen möchte. „Die meisten Teilnehmer entscheiden sich für die Fortführung“, resümiert Berger. Auch diese Kontinuität sei ein Beitrag zur Qualität der Abläufe und Ergebnisse, vor allem auch hinsichtlich deren Trans-formation in die tägliche Praxis.

Hoch gesteckte Ziele

„Wir haben in Oberösterreich ein dichtes Netz mit 53 Qualitätszirkeln“, freut sich Berger. „Ziel ist, dass jeder niedergelassene Arzt regional die Möglichkeit zur Teilnahme an einem solchen Forum hat.“ Nichts hält der Allgemeinmediziner davon, Qualitätszirkel quasi von oben zu verordnen, was in Deutschland überlegt wird. „Das kann nicht funktionieren“, ist Berger überzeugt. „Zentrale Grundprinzipien von uns sind Freiwilligkeit sowie die Vorgabe, dass die Themen tatsächlich aus dem Alltag der Teilnehmer kommen."

Informationen über Qualitätszirkel in
OÖ gibt die OBGAM, Tel. 07255/65-15,
E-Mail:

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