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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Der Countdown zur E-Card hat endgültig begonnen

Ärztekammer und Hauptverband haben einen neuen E-Card-Vertrag besiegelt. Auf die Vertragsärzte kommen zusätz-liche Kosten für ADSL-Nutzung und die Adaptierung ihrer Praxis-EDV zu.

Jetzt wird es offensichtlich ernst mit der E-Card: Am 15. Dezember soll in der Praxis von Dr. Milan Kornfeind im burgenländischen Trausdorf der Startschuss für den Probebetrieb fallen. „Das kann nur noch durch höhere Gewalt verhindert werden“, meint dazu Hauptverbandschef Dr. Josef Kandlhofer. Im ersten Quartal 2005 soll der Probebetrieb auf weitere 80 Praxen ausgedehnt werden, und ab dem 2. Quartal der bundesweite „Roll-out“ starten. In der vergangenen Woche ist eine der letzten Hürden gefallen: Ärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger haben einen neuen Vertrag besiegelt. Die Kernpunkte: Vertrags- und Wahlärzte mit Vorsorgeverträgen erhalten einen ADSL-Breitbandanschluss, der ihnen den Zugang zu einem ultrasicheren Gesundheitsinformationsnetzwerk (GIN) ermöglicht. Dazu bekommen sie eine so genannte GINA-Box (Netzwerk-adapter), die Software und ein E-Card-Lesegerät.

Wer was zahlt

Die Kosten für Neuanschlüsse samt Zubehör trägt bis zum Jahr 2008 die Sozialversicherung. Ärzte ohne Computer müssen sich auf eigene Rechnung einen Bildschirm, eine Tastatur und ein Diskettenlaufwerk (bzw. einen Memory-Stick) besorgen. Ist bereits eine Praxis-EDV vorhanden, sollte diese mit der E-Card-Software verknüpft werden, um für den Arzt auch wirklich Arbeitserleichterungen zu bringen. So werden im Idealfall die Daten von der E-Card automatisch in die Dokumentation und die Abrechnungsdateien überspielt. Wie aufwändig sich diese Umstellung im Einzelfall gestaltet, hängt von der jeweiligen Ausstattung ab. Bei EDV-Systemen, die nicht älter als drei Jahre sind, sollte es mit zwei Technikerstunden getan sein, meint ein EDV-Experte in der Kammer. Bei älteren Produkten werden jedoch einige Investitionen auf die Ärzte zukommen. Im Minimalfall wird eine Umschaltebox benötigt, die zwischen der E-Card- und der Praxis-Software wechselt. Sie ermöglicht jedoch keine echte Integration der Programme.

Gespräche mit EDV-Anbietern

In der Ärztekammer und in der Chipkartengesellschaft laufen derzeit Gespräche mit den EDV-Anbietern über die notwendigen Adaptierungen. Dr. Milan Kornfeind rechnet jedenfalls damit, dass er rund 10.000 Euro in eine Neuausstattung investieren wird müssen. Für top ausgestattete Ärzte bietet der Anschluss an das GIN einige Zusatzfeatures, wie gesichertes Mail und Internet, die Möglichkeit zur Befundübertragung, den Transfer von Arztbriefen, die Nutzung internationaler Literatur- und Kongressdatenbanken sowie die Teilnahme an Fortbildungsprogrammen. Die Nutzungsgebühr für den Anschluss von monatlich voraussichtlich 32,70 Euro (derzeitiger Minimaltarif) müssen die Ärzte bezahlen, ebenso die Kosten für freiwillige Mehrwertdienste. Zusätzlich werden ihnen noch fünf Euro pro Monat für die neu gegründete „Peering Point GmbH“ vorgeschrieben. Sie ist eine gemeinsame Tochter der Ärztekammer und des Hauptverbandes und wird von ihnen zu gleichen Teilen finanziert. Sie soll dafür sorgen, dass sich alle Teilnehmer am Netz an dieselben Spielregeln halten und die Schnittstellen, z.B. Krankenhäuser, zusammenpassen. Durch die Vermarktung des GIN will man versuchen, einen Teil der Kosten für die Gesellschaft wieder hereinzubekommen, sagte DI Volker Schörghofer, für die E-Card zuständiger Geschäftsführer im Hauptverband. Drei Millionen Euro konnte die Ärztekammer der Sozialversicherung bei den Verhandlungen als Zuschuss zu den Betriebskosten für die nächsten drei Jahre herausreißen. Das macht bei rund 8.400 niedergelassenen Vertragsärzten (ohne Zahnärzte, die verhandeln extra) umgerechnet rund 357 Euro pro Kopf. Das Geld soll über die Landesärztekammern in drei Tranchen verteilt werden. Noch völlig offen ist die Frage, wer die gesetzlich vorgeschriebene Chipkartengebühr einheben wird. HV-Chef Kandlhofer kann sich sogar vorstellen, dass diese durch eine völlige Neuorganisation der Selbstbehalte obsolet werden könnte. Im Jahr 2005 werde sie jedenfalls noch nicht fällig werden. Die Ärztekammer wiederholte trotzdem prophylaktisch ihren Standpunkt, dass die Ärzte für das Inkasso nicht zur Verfügung stünden.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 38/2004

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