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Gesundheitspolitik 24. August 2005

No-Box für Arzneimittel wird prall gefüllt sein

Die neue Einteilung der Arzneimittel gemäß ihrer Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen strotzt nur so vor Sonderfällen. Frei verschreibbare Medikamente sind Mangelware.

Mit 15. Oktober veröffentlichte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger gegenüber der Pharmaindustrie die Überführung von rund 3.000 Medikamenten von der Chefarztpflicht in das neue Boxensystem. Laut dem Generalsekretär der Vereinigung Pharmazeutischer Unternehmen (Pharmig), Jan Oliver Huber, stellt die neue Einteilung einen „ganz schönen Aderlass“ für die Arzneimittelversorgung dar. Von rund 3.000 Präparaten sei die Mehrheit in die „No Box“ gekommen und könnten somit nur mehr im Ausnahmefall genehmigt werden. Das dürfte zehntausende, wenn nicht hunderttausende Patienten betreffen. Mit der neuen Einteilung wurden rund 3.000 Medikamente aus der so genannten Sonderliste mit Chefarztpflicht in die Boxen übergeführt. Insgesamt 549 Medikamente kamen in die Gelbe Box. Sie benötigen weiterhin eine Chefarztpflicht. Nur elf kamen in die Grüne Box (frei verschreibbar, Anm.). Etwa 2.500 Arzneimittel finden sich in der No-Box (Genehmigung nur im Einzelfall, Anm.). Laut Huber befinden sich damit 567 Medikamente unter den chefarztpflichtigen Arzneimitteln: „Das bedeutet, dass rund 2.500 Medikamente einfach ’rausgefallen‘ sind.“

Richtung Zwei-Klassen-Medizin

Von insgesamt rund 15.000 in Österreich registrierten Arzneimitteln erstatten die Krankenkassen in Zukunft (ab 1. Jänner 2005) nur noch rund 3.600. Das sind nur noch 24 Prozent. „Immer weniger Medikamente werden von den Kassen bezahlt, das deutet einfach auf die Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin hin“, so Huber. „Wer Geld hat, kauft sich in Zukunft eben nicht bewilligte Medikamente zunehmend auf Privatkosten.“ Zwar könnten Pharma-Unternehmen einen Antrag für No-Box-Medikamente stellen, um wieder in die Rote Box (chefarztpflichtige Bewilligung, EU-Durchschnittspreis, Anm.) zu kommen, doch das werde wahrscheinlich kompliziert sein.

In der No-Box gelandet

Jedenfalls sind in Österreich wahrscheinlich hunderttausende Kassenpatienten von dieser Neuregelung betroffen. Huber nannte zwei Beispiele für Medikamente, die bisher chefarztpflichtig waren, zumeist bewilligt wurden, jedoch in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen (No-Box) genehmigt werden könnten: „Das Migränemittel Rizatriptan, das im Jahr 2002 von den Chefärzten für rund 11.000 Patienten genehmigt wurde. Das halte ich schon für etwas kühn.“ Das zweite Beispiel: Die „Allergieimpfstoffe“ des Herstellers Alkabello, mit denen sich Allergien (Insektengift, Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben) zum Teil sogar heilen lassen. Der Pharmig-Generalsekretär: „Die hat man alle rausgeschmissen. Das betrifft 40.000 Patienten in Österreich.“
Huber führt darüber hinaus noch ins Treffen, dass auch die Abwicklung der Chefarztpflicht – mit dem geplanten Fax-System über die Ärzte – noch nicht geklärt sei und wiederholt: „Weg mit der Chefarztpflicht. Die Frau Gesundheitsminister ist derzeit ja nicht sehr erfolgreich. Ich hoffe aber, dass im Ministerium wieder der Hausverstand und der gute Wille Einzug halten.“„Es ist eigentlich das passiert, was wir erwartet haben“, kommentiert Novartis-Österreich Pharma-Chef Dr. Erwin Klein die neue Situation. „Die Auswirkungen für die Patienten kann man aber noch nicht vorhersagen. Da brauchen wir noch die Neuregelung der Chefarztpflicht.“ Davon würden die Konsequenzen abhängen. Klein: „Aber einen Schritt weiter hat uns das nicht gebracht.“

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