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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Regionalisierte Unterstützung für Demenz-Patienten

Im Gesundheitswesen wird viel von Dezentralisierung und Vernetzung gesprochen. Ein Projekt für Demenzkranke zeigt, wie diese Ansätze in die Realität umgesetzt werden können.

Schon 1997 wurde in Bad Ischl ein Tagespflegezentrum für Demenzkranke errichtet. Nun wurden die Räume erweitert und vom derzeitigen Träger pro mente ein neues Konzept vorgestellt: „Tandem“ bietet Behandlung, Beratung und Begleitung für Menschen mit Demenz aus dem Bezirk Gmunden sowie Unterstützung für deren Angehörige. Das Konzept beinhaltet unter anderem stadienangepasstes Gedächtnis- und Orientierungstraining, Körperübungen, Freizeitprogramm, Möglichkeit zum Ausruhen sowie Beratung für Angehörige. „Ich halte es für sehr wichtig, dass es regionalisierte Angebote in erreichbarer Nähe gibt – sowohl aus Sicht der Betroffenen als auch besonders ihrer Angehörigen“, betont der am Krankenhaus Vöcklabruck tätige Facharzt für Psychiatrie, Dr. Eduard Dunzinger. Er betreut „Tandem“ auch mit einem regelmäßigen konsiliarpsychiatrischen Dienst, zu dessen Zielgruppe eben auch die Angehörigen gehören. Zum neuen Konzept gehört auch ein Hol- und Bringdienst. Dieser Service unterstützt, dass „Tandem“ genau dann genutzt wird, wenn es gebraucht wird. Manche der Patienten kommen täglich, andere nur einmal in der Woche. „Am Anfang stehen ein Erstgespräch im Wohnumfeld des Demenz-kranken Menschen und ein Schnuppertag in der Einrichtung“, erklärt der Psychologe, Diplomkrankenpfleger und Leiter Mag. Michael Wolfsgruber.

Manager Hausarzt

Eine enge Zusammenarbeit wird mit niedergelassenen Ärzten für Allgemeinmedizin in der Umgebung gepflegt. „Sie sind nicht nur potenzielle Zuweiser, sondern quasi die Manager des gesamten Behandlungsverlaufs“, erklärt Dunzinger. „Sie bestimmen aus den Befunden und Behandlungsvorschlägen die nötigen therapeutischen Schritte und weisen darauf hin, wenn etwas im Ablauf der gesamten Betreuung nicht optimal läuft. Außerdem spielen die Hausärzte eine wichtige Rolle beim Umsetzen von Impulsen aus dem Spitalsbereich.“ Ihre Funktion als Familienmediziner ist auch im Sinne der Qualitätssicherung wertvoll.

Multiprofessioneller Ansatz

Hohe Aufmerksamkeit schenken sowohl Hausärzte als auch „Tandem“ den Angehörigen von Demenzkranken. Diese erhalten Impulse für das tägliche Pflegemanagement zuhause und bekommen die Möglichkeit, ihr Handeln und ihre persönliche Situation zu reflektieren. Für diese Angehörigenarbeit ist die multiprofessionelle Zusammensetzung des Teams von Tandem besonders vorteilhaft. Neben dem Leiter arbeiten Diplomkrankenschwestern, Sozialpädagogen, Altenfachbetreuer und auch ehrenamtliche Fachkräfte mit. „Dieses umfassende Angebot verbessert sowohl die Lebensqualität und damit die Gesundheit der Demenzkranken als auch ihrer Angehörigen“, fasst Dunzinger zusammen. Vor allem Letztere kämen in klassischen Konzepten oft zu kurz und werden nach einiger Zeit selbst zu Opfern der schweren Erkrankung.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 36/2004

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