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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ärzte auch als Seelsorger gefordert

In einer Studie des Linzer Instituts für Caritaswissenschaft gaben zwei Drittel der befragten Hausärzte an, dass „die Betreuung Sterbender keine Routineangelegenheit ist und auch den Arzt mit eigenen Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert“.

Befragt wurden auch in der Sterbebegleitung aktive katholische Seelsorger. Im Vergleich zu diesen fühlen sich Ärzte durch diese Aufgabe stärker belastet, 40 Prozent meinen: „Es fällt mir schwer, ehrlich zu sagen, wenn medizinisch nichts mehr zu machen ist.“ Schwer wiegen hier auch der Erwartungsdruck und die Hoffnungen der Angehörigen. Gerade vom Arzt wird das Ausschöpfen aller medizinischen Möglichkeiten erwartet, und die Compliance ist eher von Seiten der Angehörigen gefragt. Faktum ist, dass die Betreuung vom Arzt auch seelsorgerische Aspekte abverlangt.„Für Hausärzte wird der Aufgabenbereich der Palliative Care in der Begleitung älterer Menschen zunehmen“, betont der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ziegler, der auch Referent für Altersmedizin der Ärztekammer Oberösterreich ist. Es gebe keine Lebensphase, in der der Arzt „nichts mehr tun kann“. In der letzten Lebensphase gehe es aber vielmehr um Qualität als um Quantität im Hinblick auf die Lebensdauer.

Unterstützung der Angehörigen

Der Großteil der befragten Ärzte beurteilte medizinische und psychische Betreuung als gleich wichtig. 87 Prozent erachten die Begleitung und konkrete Unterstützung der Angehörigen als „zentrale Aufgabe“. Zwei Drittel nehmen Trost, Ermunterung und emotionale Zuwendung als wichtigen Teil ihrer Aufgabe wahr bzw. sehen sich als Gesprächspartner für Fragen über Leben, Sterben und Tod. 81 Prozent der Ärzte erleben die Betreuung Sterbender und ihrer Angehörigen sogar als Bereicherung.

Wunsch nach Sterbehilfe

Vor allem Angehörige, aber auch Menschen in der letzten Lebensphase beschäftigt das Thema Sterbehilfe. Diesbezüglich sind zwei Drittel der befragten Ärzte der Überzeugung, dass eine umfassende medizinische, pflegerische und emotionale Betreuung den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe zurückdrängen könne. Wobei zur Schmerzlinderung auch Maßnahmen in Betracht gezogen werden, die zwar die Lebensqualität erhöhen, aber auch Kon-sequenzen für die Lebenserwartung haben. Von besonderer Bedeutung sind dafür die stationären und mobilen palliativen Netzwerke, in denen Hausärzte oft als Drehscheibe fungieren, dort aber auch Rückhalt, Unterstützung und kompetente fachliche Information bekommen.

Palliativ-Fortbildung gefragt

In der ärztlichen Ausbildung ist Palliativmedizin viel zu kurz gekommen. Deshalb gaben auch über 80 Prozent der befragten Ärzte an, sich fortbilden zu wollen. Im Oktober und November starten in verschiedenen Regionen Fortbildungsangebote dazu; ein aktueller Überblick findet sich auf der Web-Site www.hospiz.at. Als wichtiges Instrument für den Umgang mit diesem Thema werden Qualitätszirkel sowie der interdisziplinäre Austausch mit Krankenpflegepersonen, verschiedenen Therapeuten und auch Seelsorgern erachtet.

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