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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Tickende Zeitbombe Prostatakrebs

In Oberösterreich wurden Daten zu Prostata-Krebs von etwa 37.500 Männern gesammelt. Das Ergebnis ist klar: Vorsorge und Früherkennung müssen noch intensiviert werden.

Seit April 2002 senden Ärzte für Allgemeinmedizin, Urologen und urologische Abteilungen von Spitälern Erfassungsbögen von Männern an die statistische Abteilung des Landes Oberösterreich. Die Erfassung der Daten erfolgte mit eigens dafür entwickelten Erhebungsbögen. Insgesamt wurden mehr als 35.000 Männer erfasst, die eine Erstunter-suchung in Anspruch genommen haben, sowie über 2.500 Männer mit weiterführenden Tests und medizinischen Analysen. „Dass auf eine so gute Datenbasis zurückgegriffen werden kann, ist vor allem auch der guten Kooperation mit den Hausärzten zu verdanken, die bei der Prostatavorsorge eine wichtige Rolle spielen“, unterstreicht Dr. Walter Ullner, niedergelassener Facharzt für Urologie und Motor des Projekts „forum prostata“. Das Forum hat die gesamte Erhebung konzipiert sowie für die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung gesorgt. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass Prostata-Krebs mit 26 Prozent der häufigste Tumor beim Mann ist, gefolgt von Lungen- und Darmkrebs. „Die Häufigkeit dieses Karzinoms ist um 20 Prozent gestiegen“, so Ullner.

Zu viele Männer warten zu lange

Neun Prozent der untersuchten Männer hatten einen pathologisch auffälligen Befund. Rund 65% dieser Männer entschlossen sich zu einer Weiteruntersuchung, bei etwa 39% davon wurde mittels Biopsie ein Prostatakarzinom festgestellt. „Auffallend ist, dass sich 822 Personen, das sind rund 35 Prozent, trotz pathologischen Befunds nicht weiter untersuchen ließen“, bedauert Doz. Dr. Helmut Heidler, Stellvertretender Obmann der Fachgruppe der Urologen. Viele Männer würden zu einer Vogel-Strauß-Tatik neigen. Das entspreche dem allgemeinen Trend, dass nur etwa ein Fünftel der Männer bei Krankheit oder Schmerz gleich einen Arzt konsultieren, 40% würden einige Tage warten und weitere 40% solange es geht. „Prostata-Krebs ist eine tickende Zeitbombe“, sind sich Heidler und Ullner einig. Hochrechnungen aufgrund der erhobenen Daten zeigen, „dass mehr als 6.000 oberösterreichische Männer im Alter von 45 bis 74 Jahren ein unerkanntes Prostatakarzinom haben“, beklagt Ullner. Prostata-Probleme werden generell eher älteren Männern zugeschrieben. Diese machen bei den Untersuchungen tatsächlich den größeren Anteil aus, wie die aktuellen Daten zeigen. „Gerade bei jüngeren Männern wächst der Prostatakrebs aber viel schneller“, erinnert Heidler.

PSA-Wert unbedingt erheben

70 Prozent der Karzinome werden - ohne den PSA-Wert festzustellen - übersehen. Deshalb fordern die Urologen, sich nicht mehr ausschließlich auf die Prostata-Untersuchung zu konzentrieren. Eine Erhebung des PSA-Wertes wäre viel wichtiger und sollte selbstverständlicher Teil der Gesundenuntersuchung vor allem bei Männern über 45 sein. Ein lokal begrenztes Karzinom könne bei frühzeitiger Therapie oft geheilt werden, nach fünf Jahren leben noch mehr als 80 Prozent der Betroffenen. Die Urologen setzen auf eine verstärkte Informations- und Motivationsarbeit für Männer. Das forum prostata initiiert nicht nur Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, sondern hat für diese auch eine umfassende Informations-CD sowie Plakate für das Wartezimmer erstellt. Darüber hinaus wird weiterhin auf spezielle Prostatapässe gesetzt, in die alle relevanten Daten eingetragen werden können. Persönliche Briefe über Ergebnisse von Blutuntersuchungen, Folder und Flugblätter, PSA-Bestimmung im Rahmen von Gesundheitsstraßen und in Betrieben runden das Angebot ab.

Web-Tipp: www.forum-prostata.at

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