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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Unfallchirurgen offen für Gesundheitsagenturen

Nach einer optimalen operativen Versorgung von Traumata bei älteren Patienten ist die Unterbringung in einer Rehabilitationseinrichtung oder auf einer Pflegestation häufig ein Problem, beklagen Österreichs Unfallchirurgen. Die geplanten Gesundheitsagenturen könnten derartige Schnittstellenprobleme lösen.

35 Prozent der 831.000 Unfälle, die jedes Jahr in Österreich passieren, betreffen Menschen, die älter als 65 sind. „Die steigende Lebenserwartung verändert die Art der Unfälle, mit denen wir konfrontiert sind“, sagte Prim. Dr. Walter Buchinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der 40. Jahrestagung zum Generalthema „Das Trauma im fortgeschrittenen Lebensalter“ in Wien. Der gesunde 70-Jährige geht heute Schi fahren, Berg steigen oder fährt Motorrad. Damit steigt natürlich auch die Unfallgefahr. „Neben der unfallchirurgischen Versorgung ist vor allem die Rehabilitation, beispielsweise nach einem Schädelhirntrauma oder einer Querschnittlähmung, derzeit häufig nicht sicher-gestellt“, erklärte Buchinger. Prob-leme gibt es auch bei jenen PatientInnen, die sich nach einem Unfall nicht mehr selbst versorgen können. „30 Prozent der älteren Unfallpatienten werden oft wochenlang in Akutbetten gepflegt, weil es für sie keine adäquaten Unterbringungsmöglichkeiten gibt“, erläuterte Prof. Dr. Vilmos Vecsei, Vorstand der Univ.-Klinik für Unfallchirurgie an der Medizinuniversität Wien Finanzierung aus einem Topf Deshalb fordern die Unfallchirurgen eine Finanzierung von Gesundheitsleistungen aus einer Hand und stehen der Idee von Gesundheitsagenturen prinzipiell positiv gegenüber. „Alle Leistungen sollen aus einem Topf finanziert werden“, erklärte Prim. Doz. Dr. Titus Gaudernak, Bundesfachgruppen-Obmann Unfallchirurgie. „Wir wünschen uns einen Finanzierungsweg vom Abtransport des Patienten vom Unfallort über die optimale medizinische Versorgung bis hin zur Rehabilitation oder Pflege.“ Ein optimiertes Schnittstellenmanagement verbessere aber nicht nur die Versorgung älterer PatientInnen, sondern spare auch Geld, ist Gaudernak überzeugt. Dazu sei allerdings auch eine „stärkere Vernetzung von intra- und extramuralem Bereich notwendig“.
Abseits des optimierten Schnittstellenmanagements plädieren die Unfallchirurgen für eine verbesserte Prophylaxe, um eine eventuelle Pflegebedürftigkeit so weit wie mög-lich nach hinten zu schieben. „Eines der Hauptziele unserer Tagung ist daher die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Osteo-porose“, erklärte Buchinger. Schätzungen von Fachleuten zufolge wird nur jeder zehnte Osteoporosepatient adäquat therapiert. „Jede zweite Fraktur könnte bei einer optimalem Osteoporosetherapie verhindert werden“, führte Buchinger weiter aus. „Häufig stellen wir die Osteoporose erst als Nebenbefund bei einer Schenkelhalsfraktur fest. Zur Knochendichtemessung dürfen wir unseren Patienten dann aber nicht zuweisen – das darf nur der Internist.“ Liegen beim osteoporotischen Patienten bereits Wirbelkörpereinbrüche vor, hat sich auf dem Gebiet der Unfallchirurgie die Technik der Kyphoplastie durchgesetzt. Der Eingriff kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden und führt in vielen Fällen zur völligen Schmerzfreiheit. Diese Leistung steht derzeit allerdings nicht allen PatientInnen mit Wirbelkörpereinbrüchen zur Verfügung, monieren die Unfallchirurgen. „Die Abrechnung dieses Eingriffs im LKF-System ist für die Spitäler nicht kostendeckend möglich, was dazu führt, dass das Verfahren entweder kontingentiert oder das Budget überzogen werden muss“, so Buchinger. Er ortet Handlungsbedarf im Bereich der Versorgung des älteren Menschen, nicht nur in der Medizin: „Hier ist auch die Politik gefordert.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 35/2004

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