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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Mehr Rauchverbote und „Die letzte Zigarette“

Bis Ende 2006 sollen in 90 Prozent aller österreichischen Lokale mit mehr als 75 Quadratmeter Nichtraucherzonen eingerichtet sein, und am Arbeitsplatz herrscht ab 1. Jänner 2005 ein totales Rauchverbot. Für die angeblich 55 Prozent Entwöhnungswilligen gibt es erweiterte Angebote.

Rund 2,9 Millionen ÖsterreicherInnen greifen regelmäßig zur Zigarette. Wird die geplante Tabakgesetzesnovelle im Herbst unverändert beschlossen, werden die RaucherInnen deutlich weniger Möglichkeiten haben, ihrem Laster zu frönen. Neben einem Rauchverbot am Arbeitsplatz soll das bereits bestehende Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, wie etwa Universitäten, Behörden und Krankenhäusern, stärker überwacht und sanktioniert werden. Am Arbeitsplatz darf künftig eigentlich gar nicht mehr geraucht werden, außer „der Chef gestattet ein Raucherkammerl“, sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat bei einer Pressekonferenz in Wien. „Auch in Büros, in denen nur eine Person sitzt, darf diese rauchen, wenn der Chef zustimmt.“ Bei Verstößen gegen diese Neuregelung soll es Strafen bis zu 750 Euro geben. Gegen wen sich eine eventuelle Strafverfügung richtet, ist derzeit allerdings noch unklar. Neben Rauchverboten zum Schutz der NichtraucherInnen stehen für Rauch-Kallat Prävention und Ausstiegserleichterungen im Mittelpunkt ihrer Gesundheitskampagne: „Wir wollen verhindern, dass Jugendliche überhaupt zu rauchen anfangen und RaucherInnen den Ausstieg erleichtern.“ Rund 26 Prozent aller 15-jährigen Mädchen und immerhin 20 Prozent der Burschen rauchen regelmäßig. In Zusammenarbeit mit dem ORF und der Österreichischen Krebshilfe startet Anfang 2005 eine Präventionskampagne, die „mit Hilfe von jugendgerechter Bewusstseinsbildung verhindern soll, dass Kinder überhaupt zu rauchen anfangen“, erläuterte Rauch-Kallat. „Die Kampagne wird sich an 12- bis 15-Jährige richten.“ Interessantes Details am Rande: Aufgrund des zukünftig zu sanktionierenden Rauchverbots am Arbeitsplatz darf im Konferenzzimmer in Schulen nicht mehr geraucht werden.

Nicht-Rauchen in Schulen

Das Raucherkammerl, das vor allem Jugendliche nutzen, will Rauch-Kallat allerdings nicht verbieten: „Die Einrichtung eines Raucherkammerls entscheidet der Schulgemeinschaftsausschuss. Abgesehen davon ist Jugendlichen ab 16 Jahren das Rauchen erlaubt; dieses Recht soll ihnen nicht genommen werden.“ Bereits gestartet wurde die Kampagne „Die letzte Zigarette“. Diese richtet sich an „jene 55 Prozent dissonanter Raucher, die aufhören wollen“, sagte Rauch-Kallat. Auf der Website www.isch.at können sich Aufhörwillige Tipps zum optimalen Ausstieg holen, sich mittels Fagerström-Test über den Grad der persönlichen Sucht und über Stellen, die Rat und Hilfe bieten, informieren.

In einer Kooperation mit dem Radiosender Ö3 informiert der so genannte „Rauchmelder“ die NeonichtraucherInnen über die Anzahl der täglich nicht mehr gerauchten Zigaretten und der Schadstoffe, die täglich nicht konsumiert werden. Unterstützt werden soll die Kampagne durch Radiospots mit prominenten SprecherInnen, Foldern und Plakaten. Schlussendlich unterzeichnete Rauch-Kallat auch eine so genannte „freiwillige Vereinbarung zur Einrichtung von Nichtraucherzonen“ mit dem Fachverband Gastronomie. Bis 31. Dezember 2006 sollen in 90 Prozent aller Lokale, die größer als 75 Quadratmeter sind, deutlich abgegrenzte Nichtraucherzonen eingerichtet sein, die mindestens 40 Prozent der vorhandenen Sitzplätze umfassen. An ein generelles Rauchverbot in Lokalen denkt Rauch-Kallat derzeit noch nicht. Dies könnte sich allerdings dann ändern, wenn der Termin zur Einrichtung der Nichtraucherbereiche von den Mitgliedsbetrieben des Fachverbandes Gastronomie nicht eingehalten wird. „Dann werden wir uns Sanktionen überlegen“, sagte die Gesundheitsministerin.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 35/2004

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