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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Hauptverband will Netzwerk bauen

Seine Rolle als Major Player im Gesundheitswesen fordert der Hauptverband im Rahmen der Gesundheitsreform jetzt ein: Alle Verantwortlichen im System sollen „ins Boot geholt werden“.

Für Hauptverbandsgeschäftsführerin Mag. Beate Hartinger ist klar, wo im Gesundheitssystem gespart werden kann: „Die Krankenhauskosten in Österreich liegen mit 917 Euro pro Kopf deutlich über dem EU-Durchschnitt von 742 Euro.“ Auch die Anzahl der Akutbetten sei mit 6,1 auf 1.000 EinwohnerInnen zu hoch. Im EU-Durchschnitt liegt sie bei 4,2 Betten. Mit der Gebarung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger ist Hartinger dagegen erwartungsgemäß zufrieden: „In Österreich kommen 87 Kassenärzte auf 100.000 Einwohner, in Deutschland sind es 153 und in Frankreich sogar 200.“ Um das österreichische Gesundheitssystem effizienter zu gestalten und das Schnittstellenmanagement zu verbessern, schlug der Hauptverband bei einem Hintergrundgespräch vergangene Woche in Wien eine Strukturänderung vor. „Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen sich vernetzen, um bei klarer Aufgabenteilung gemeinsam Entscheidungen für das gesamte System treffen zu können“, sagt Hauptverbandssprecher Dr. Josef Kandlhofer. Nur eine Gesamtplanung und Steuerung über die Ländergrenzen hinweg könne das Gesundheitssystem effizient und transparent gestalten. Neue Strukturen müsse man dafür nicht schaffen.
„Wir haben Erfahrung in innovativen Projekten und im effizienten Einsatz der Mittel“, sagt HV- Geschäftsführer Dr. Josef Probst. „Unsere Lösung würde zu einer besseren Versorgung bei geringeren Kosten führen.“ Die von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat geplanten Gesundheitsagenturen bezeichnet Probst dagegen als „machtorientierte Lösung, die zu mehr Bürokratie führen würde“. Ohne Mittelumverteilung soll es auch im geplanten Netzwerk nicht gehen. Darüber sind sich die Hauptverbandsgeschäftsführer einig; ebenso darüber, wo gespart werden muss. „Die Ressourcen für den stationären Bereich müssen verknappt werden“, sagt Kandlhofer. Für den niedergelassenen Bereich sollten hingegen leistungsorientierte Vergütungssysteme mit Anreizelementen geschaffen werden. „Wir müssen Ziele vorgeben, und diese müssen auch evaluiert und überprüft werden“, fordert Probst. „Wenn es keine Ziele gibt, ist man am Jahres-ende immer gut gewesen.“ Optimistisch zeigt sich der Hauptverband, was die Umsetzung des vorgeschlagenen Netzwerkes angeht. „Insgesamt sind wir und die Gesundheitsministerin in unseren Vorschlägen gar nicht so weit auseinander“, resümierte Kandlhofer.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 35/2004

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