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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Still-Beratung auf Krankenschein?

Für Still- und Laktationsberatung gibt es eine international anerkannte Ausbildung. In der Praxis liegen die Schwachpunkte im Übergang vom Spitals- in den niedergelassenen Bereich.

„Vor allem für Familien mit erhöhtem Allergierisiko ist die Empfehlung, in den ersten sechs Monaten voll und danach, ergänzt durch Beikost, über das erste Lebensjahr hinaus zu stillen, besonders wichtig“, betont Prim. Dr. Wolfgang Sperl anlässlich der Internationalen Woche für das Stillen, die im deutschsprachigen Raum jeweils in der ersten Oktoberwoche begangen wird. Sperl ist ärztlicher Leiter der Kinderklinik in Salzburg und Mitglied der österreichischen Ernährungskommission. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Vorjahr diese Empfehlung für alle Babys gegeben. „Es kann auch Indikationen geben, die eine Beikost schon nach dem vierten Monat nötig machen, Muttermilch sollte aber der Hauptbestandteil der Ernährung bleiben“, ergänzt Sperl.
„Eltern haben vor allem in den ersten Lebensmonaten des Kindes viele Fragen, weil Unsicherheiten auftreten“, ergänzt Dr. Barbara Bednar, Fachärztin für Pädiatrie an der Kinderklinik in Linz und geprüfte Still- und Laktationsberaterin IBCLC. In dieser Phase sei umfassende Beratung und Begleitung besonders wertvoll. Dazu Sperl: „Wir haben inzwischen an jeder Station zu-mindest eine geprüfte Still- und Laktationsberaterin.“ Diese Krankenschwestern, Hebammen oder ÄrztInnen haben eine zusätzliche, international anerkannte Qualifikation in einer mehrteiligen Fortbildung erworben. Kompetente Beratung auch im niedergelassenen Bereich In schwierigen Stillsituationen sollten auch Hausärzte auf diese Fachkräfte verweisen, empfiehlt Sperl: „Es ist wichtig, dass die Stillberatung nach einer umfassenden Unterstützung im Spital auch im niedergelassenen Bereich fortgeführt wird.“ Dafür müsste allerdings mehr Fortbildung für Ärzte, aber auch für Stellen wie Mutter- und Sozialberatung angeboten werden. Sinnvoll wäre außerdem, die Schnitt-stellen zwischen Spital und Unterstützung im niedergelassenen Bereich genauer zu analysieren.

Ängste junger Eltern

Laut Bednar haben viele Mütter nach der Entlassung aus dem Spital Angst, ihr Kind könnte zu wenig Muttermilch bekommen oder diese würde nicht ausreichend nahrhaft sein. Für Verunsicherung sorge auch „die oft erteilte Empfehlung, das Kind regelmäßig zu wiegen“. Eine wöchentliche Gewichtskontrolle sei aber ausreichend. Zur häufigen Befürchtung junger Eltern, das Kind durch Stillen zu verwöhnen, meint Bednar: „Das ist bei einem Baby nicht möglich, vielmehr sind Nähe und Wärme wertvoll.“ Darauf sollten auch Hausärzte als Ansprechpartner junger Eltern hinweisen.„Es geht nicht darum, Frauen zum Stillen zu zwingen“, betont Dr. Bernhard Lang, Arzt für Allgemeinmedizin in Sarleinsbach. „Grundlage gelungener Stillbeziehungen sind aber gute Informationen und Beratung.“ Treten erste Schwierigkeiten in der Stillbeziehung auf, werde diese oft sehr schnell unter- oder gar abgebrochen. „Oft raten auch Ärzte zum Abstillen, etwa bei Mastitis“, bedauert Lang. Die Krankenkassen sollten eine umfassende Stillberatung zumindest unterstützen, regen die Ärzte gemeinsam an. „Gestillte Kinder werden seltener krank“, betont Sperl. Es sei deshalb „nicht einzusehen, warum eine fachkundige Un-terstützung Frauen vorbehalten sein soll, die es sich finanziell leisten können“.

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