zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Interdisziplinäre Betreuung von COPD-Patienten

In einem Projekt der Lungenabteilung am Landeskrankenhaus Salzburg wurden zwei Jahre lang die Schnittstellen bei der Betreuung von COPD-Patienten analysiert und verbessert.

„Bei bis zu 50 Prozent der COPD-Patienten treten auch Depressionen und Angststörungen auf“, betont Dr. Alexandra Kostrba-Steinbrecher. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin betreut im St. Johanns-Spital/LKH Salzburg im „Sonderauftrag Psychosomatik“ die Lungenabteilung und begleitet bei einer COPD-Selbsthilfegruppe einen Qualitätszirkel für Psycho-therapeuten zum Thema „Lunge und Psyche“.

Viele Patienten resignieren

Bei 80 Prozent der COPD-Betroffenen ist Nikotinabhängigkeit Hauptursache für die Krankheit. Häufig kommen die Neigung zur Passivität sowie Defizite im Verantwortungsgefühl und dem Glauben an Fähigkeiten zum Selbstmanagement dazu. „Atemnot ist physiologisch mit Angst, die reduzierte körperliche Belastbarkeit und musku-läre Schwäche sind mit Unlust und anderen Missempfindungen verbunden“, ergänzt Kostrba-Steinbrecher. Dies fördere einen Teufelskreis aus Schonung, Vermeidung, weiterer Schwächung der Muskulatur sowie des gesamten Herz-Kreislaufsystems und oft auch sozialen Rückzug. Verbunden mit diesen Symptomen sind kognitive Leistungseinbußen mit Konzentrations- und Gedächtnisdefiziten. Wenig Aufmerksamkeit gilt der Tatsache, dass viele COPD-Patienten mangelernährt sind, weshalb die Kooperation mit einer diplomierten Diätassistentin wichtig sein kann. Da es zudem oft um Probleme mit Tätigkeiten des täglichen Lebens geht, kann in einigen Fällen auch das Einbeziehen eines Ergotherapeuten zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.

Breites Betreuungsspektrum

Kostrba-Steinbrecher betont die Wichtigkeit der interdisziplinären Kooperation, die deutlich über das Krankenhaus hinausgehen muss: „Ausgehend von der stationären Betreuung und ambulanten Aufenthalten müssen in weiterer Folge Bereiche wie Physio-, Atem-, Sport- und Psychotherapie sowie der Haus-arzt als zentraler Ansprechpartner miteinander vernetzt werden.“ Von besonderer Bedeutung sei eine auf den Einzelfall abgestimmte Raucherberatung und Nikotinentwöhnung. „Ohne Behandlung der depressiven, ängstlichen und vor allem abhängigen Muster, die hinter COPD stehen, nützen die sonst ausgezeichnet wirksamen Medikamente und Atemtherapien wenig“, so Kostrba-Steinbrecher.

Vernetzung und Schulung

Laut Doz. Dr. Michael Studnitzka, Leiter der Lungenabteilung, lassen sich „durch diese Vernetzung Situation und Lebensqualität der Betroffenen spürbar verbessern“. Diese würde auch Kosten reduzieren bzw. für die Behandler belastende Reibungsverluste in der Betreuung vermeiden. Besondere Bedeutung hat dabei die Schulung der Patienten, bei der sich als wichtiger Baustein die COPD-Selbsthilfegruppe bewährt hat.„Gerade Hausärzte können bei Patienten mit COPD im Stadium I oder II mit psychosozialer Anamnese Symptome der Depression, Angst und Sucht früh erkennen“, ergänzt Kostrba-Steinbrecher. Sie spielen also eine zentrale Rolle beim Aufbau und bei der gezielten Förderung der Vernetzung für die weitere Betreuung. Dazu die Ärztin für Allgemeinmedizin, Dr. Elisabeth Rabl-Rösslhuber: „Bei COPD-Patienten spielt die Compliance eine besonders wichtige Rolle. Der behandelnde Arzt muss sehr genau hinhören, was ihm der Patient quasi zwischen den Zeilen und neben der Beschreibung oberflächlicher Symptome sagt.“ In Bezug auf ein besseres Schnittstellen-Management wünscht sie sich von Seiten der Spitäler eine rechtzeitige Information über die bevorstehende Entlassung und die dort verordnete Medikation sowie erfolgte therapeutische Unterstützung. In Österreich gibt es etwa 400.000 COPD-Patienten, die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Die Österreischische Gesellschaft für Pneumologie fordert deshalb im Sinne der Früherkennung seit langem die Aufnahme einer umfassenden Spirometrie in die Vorsorgeuntersuchung.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben