zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Der neue Weg für Spezialisten

Bei der Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer im Juni dieses Jahres wurde die neue Spezialisierungsordnung beschlossen, die mehr Auto-nomie für die Standesvertretung bringt.

Mit den neuen Regelungen sollen ergänzende Qualifikationen für die ärztliche Tätigkeit, die bisher in der Ausbildungsordnung als so genannte „Additivfächer“ geregelt waren, künftig in die Autonomie der Ärztekammer gestellt werden. „Elf Jahre auf ministerielle Änderungen zu warten, ist kontraproduktiv für den medizinischen Fortschritt“, bemerkte Dr. Terje Hovdar, Leiter des Bildungsausschusses der ÖÄK, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. Seit mehr als zehn Jahren gibt es die so genannten Additivfächer. „Diese Option wurde damals insbesondere für die Innere Medizin genutzt, da hier der Bedarf am größten war und es auch in anderen europäischen Ländern dafür oft eigene Sonderfächer gibt“, erklärt Hovdar. „Die Regelung der Additivfächer ist jedoch sehr umständlich. Wenn man etwas ändern oder ergänzen möchte, kann das nur über das Ministerium gehen.“ Die Überlegung war deshalb, etwas Anderes zu schaffen. Das Ergebnis heißt „Spezialisierung in ...“. Das muss zwar grundsätzlich im Rahmen der Ausbildungsordnung beschlossen, könnte aber in weiterer Folge von der Ärztekammer geregelt werden. Hovdar: „Wir hätten dann eine ganz andere Flexibilität.“ Diese Spezialisierungen könnten vor allem für den zukünftigen Fachart für Allgemeinmedizin von Interesse sein. Die grundsätzlichen Regelungen stehen, zahlreiche Details sind noch zu klären.

Die Grundlage für die Spezialisierungsordnung muss noch vom Ministerium bewilligt werden. Wie sind hier die Signale?
Hovdar: Wir haben eigentlich im letzten Jahr nur einen einzigen Hinweis aus dem Ministerium bekommen, nämlich dass die Zahl der Sonderfächer reduziert werden soll. Wir konnten aber nachweisen, dass das nicht sehr leicht möglich ist. Denn diese sind entweder universitätsspezifisch oder EU-weit üblich. Das einzige Fach, bei dem das in Frage kommen könnte, ist die Unfallchirurgie. Wir würden uns dem auch nicht verschließen, aber es ist nicht von heute auf morgen möglich.

Haben Sie auch Signale vernommen, dass die Zahl der Additivfächer reduziert werden soll?
Hovdar: Davon ist meines Wissens nicht die Rede. Seitens der Ärztekammer ist es aber so, dass wir keine neuen mehr haben möchten. Wir wollen stattdessen Spezialisierungen schaffen. In Deutschland hat man ja auch keine Additivfächer, sondern Schwerpunkte, beispielsweise acht in der Inneren Medizin.

Welche Auswirkungen hätten die Spezialisierungen auf die ärztliche Ausbildung?
Hovdar: Genauso wie beim bisherigen Additivfach kann die Spezialisierung grundsätzlich nur erfolgen, nachdem man die Ausbildung in einem Sonderfach abgeschlossen hat. Wir könnten jedoch die Ausbildungsdauer flexibler handhaben, denn es sind nicht immer drei Jahre notwendig. Je nach Inhalt kann die Spezialisierung zwischen einem Jahr und maximal drei Jahren dauern.

Welche Spezialisierungen sind geplant?
Hovdar: Wir müssen nun die Curricula entwickeln und diese mit anderen Fächern abgleichen, die eventuell hineinreichen. In vorderster Reihe stehen die Gynäko-Onkologie, die interventionelle Radiologie, die Kinderkardiologie und Kinderpneumologie sowie die Dermatohisto-pathologie.

Wird die Spezialisierung Auswirkungen auf die Verteilung der Sonderklassehonorare haben?
Hovdar: Es kann freilich durch die neue Form der Spezialisierung zu einer Aufteilung größerer Abteilungen, zum Beispiel in Departments, kommen. Dann könnte eine andere Verteilung der Sondergebühren als bisher sinnvoll sein. Das ist aber nicht primär eine Frage der Ärzteausbildungsordnung.

Sehen Sie Probleme bei der Abgrenzung der Spezialisierungen zwischen dem geplanten Facharzt für Allgemeinmedizin und den Internisten?
Hovdar: Ein Facharzt für Allgemeinmedizin könnte natürlich ebenfalls eine Spezialausbildung machen. Wir kennen die Verhältnisse in Deutschland, wo der Allgemeininternist eigentlich der Allgemeinmediziner ist. Die anderen sind
Kardiologen, Pulmologen oder etwas anderes. Dass es in Österreich auch in diese Richtung gehen wird, ist nicht ganz auszuschließen. Auch eine kürzere Sonderfachausbildung mit einem gemeinsamen „Common trunk“ wäre möglich. Aber das ist bis jetzt nicht angedacht.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 33/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben