zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Eine Patientenmappe für die Hausärzte

Seit November 2002 gibt es auch in Graz ein mobiles Palliativteam, das sich an internationalen und heimischen Vorbildern orientiert. Für die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten steht ein besonderer Service zur Verfügung: die Patientenmappe.

„In der Aufbauphase bis März 2003 wurden vom Palliativteam hauptsächlich Patienten beratend weiter betreut, die von den zwei Grazer Palliativstationen entlassen wurden“, berichtet Dr. Brigitte Fröhlich, Leiterin des Teams. Sie verweist darauf, dass „nach wie vor viele Menschen in den letzten Wochen oder Tagen ihres Lebens stationär aufgenommen werden und im Spital sterben, obwohl das weder ihrem Wunsch noch dem der Angehörigen entspricht“. Mobile Palliativdienste könnten in vielen Fällen einen Aufenthalt im Spital ersetzen. Dies wirke sich auch auf die Kosten aus, „die im intramuralen Bereich bedeutend höher sind“. Das Palliativteam in Graz weitete seine Angebote mit der Zeit auf weitere Patientengruppen aus. Die Kontaktaufnahme mit dem Team erfolgt primär durch niedergelassene Ärzte oder den Patienten bzw. einen Angehörigen. „Vor einem Hausbesuch des Teams bemühen wir uns auf jeden Fall um einen Kontakt mit dem Hausarzt“, betont Fröhlich. Mit diesem wird nach Möglichkeit auch ein gemeinsames Konsilium durchgeführt.

Palliativmedizin wird für Hausärzte an Bedeutung gewinnen

„Der Bereich der Palliativmedizin wird für Hausärzte sicher noch mehr an Bedeutung gewinnen, weil es hier um eine ganzheitliche Sicht der Dinge und das Wissen um die Lebenszusammenhänge der Patienten geht“, ergänzt der Grazer Arzt für Allgemeinmedizin, Dr. Georg Weber. Er erlebt die regelmäßige Kommunikation mit dem Palliativteam „auch als wichtigen Beitrag zur regelmäßigen Fortbildung und als Chance für interdisziplinäre Kooperation, von der alle Beteiligten sehr profitieren“. Hausärzte hätten eben nur begrenzte zeitliche Ressourcen bzw. wären für Unterstützung und Austausch bei Spezialthemen im palliativen Bereich denkbar. Um die Kommunikation mit Ärzten und MitarbeiterInnen von mobilen pflegerischen, therapeutischen und sozialen Diensten zu intensivieren, „haben wir als Ergänzung zu den obligatorischen Telefonkontakten eine Patientenmappe entwickelt“, so Fröhlich. Diese enthält alle Arztbriefe und Basisinformationen zur Situation des Patienten inklusive palliativmedizinische Kurzberichte und eine Dokumentation von Maßnahmen, die vor Ort gesetzt werden. „Außerdem konnten wir mit einigen engagierten niedergelassenen Ärzten ein gut funktionierendes palliatives Netzwerk für einige Bezirke von Graz aufbauen“, freut sich Fröhlich.

Oft reicht Telefonberatung

In vielen Fällen reiche eine telefonische Beratung der Angehörigen oder der Patienten durch professionelle Helfer, wie Ärzte oder Pflegekraft, aus, um einen guten Verlauf der Betreuung abzusichern bzw. mit Unsicherheiten oder Schwierigkeiten umzugehen. Fröhlich weist darauf hin, dass nur in knapp einem Fünftel der Fälle ein direkter Kontakt zwischen Patienten und Palliativteam nötig ist. Auch deshalb wurde das Grazer Angebot um eine telefonische Bereitschaft rund um die Uhr erweitert. „Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass in vielen Fällen schon das Gefühl reicht, jemanden im Bedarfsfall erreichen zu können“, berichtet Fröhlich. „Tatsächlich in Anspruch genommen wird das Angebot meist nur in wirklich dringenden Fällen.“ Viele Ärzte schätzen es, auf diesen Dienst vor allem in der Nacht oder am Wochenende verweisen zu können und damit nicht unbedingt notwendige stationäre Einweisungen verhindern zu können. Geplant ist, die Öffentlichkeitsarbeit zu den Angeboten des Palliativteams zu intensivieren, unter anderem durch Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, besonders für Ärzte oder Pflegekräfte.

Telefonischer Beratungsservice des mobilen Palliativteams Graz: 0316/385-7062.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 32/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben