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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Unsanftes Ende für Spitalsoffensive

Heftige Reaktionen gab es auf die bekannt gegebenen Details einer Organisationsreform für Oberösterreichs Spitäler. Auswirkungen auf den niedergelassenen Bereich wurden offensichtlich nicht ernst genommen.

Seit 1994 wurden rund 1,7 Milliarden Euro in die oberösterreichischen Spitäler investiert, ein Großteil davon in Neubauten. Völlig neu gebaut wurde z.B. die renommierte Linzer Landesnervenklinik; allein dort sollen jetzt 111 Betten praktisch unmittelbar nach der Eröffnung wieder eingespart werden. Im Land ob der Enns arbeitete eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission wochenlang an den Details zu einer Organisationsreform. Eingebunden waren dabei weder die Ärztekammer noch die Gebietskrankenkasse. Die Kommission ortet jedenfalls ein Einsparungspotenzial von 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2010, wobei die Bettenreduktion den größten Brocken bringen soll. Insgesamt 22 Abteilungen sollen geschlossen bzw. mit anderen zusammengelegt werden. In manchen Bereichen, z.B. Chirurgie und Orthopädie, soll viel intensiver kooperiert werden.

Sorge um Arbeitsplätze

Entsprechend heftig fielen die Reaktionen aus, auch wenn Landeshauptmann Josef Pühringer betonte, beim vorgelegten Bericht würde es sich „nicht um die Bibel“ handeln, an die man sich sklavisch halten müsse. Die SPÖ kann den Aussagen der Kommission dahin gehend keinen Glauben schenken, dass der gesamte Einsparungsprozess ohne Verlust von Arbeitsplätzen erfolgen kann. Befürchtet wird, dass mehr als 2.200 Menschen den Job verlieren könnten. Weiters befürchten Kritiker des Konzepts eine massive Verlängerung von Wartezeiten, etwa auf Operationen. Laut einer aktuellen Erhebung der Landessanitätsdirektion ist im LKH Kirchdorf beispielsweise für einen Gelenkersatz derzeit mit 4,5 Monaten Wartezeit zu rechnen. Gerade hier sollen aber noch weitere Betten eingespart werden. Im nur bedingt nahe gelegenen Krankenhaus Steyr beträgt die Wartezeit für denselben Eingriff sogar sieben Monate. Kritik an den oberösterreichischen Plänen kommt auch vom Hauptverband: Dort wird auf das Einsparungspotenzial in Bereichen wie Küche, Werkstätten usw. von Spitälern verwiesen. Verlangt werden auch Maßnahmen zur Vermeidung von Doppeluntersuchungen im intra- und extramuralen Bereich.

Übers Ziel geschossen

Dr. Otto Pjeta, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich, spart nicht mit Kritik: „Einerseits ist die Kommission in Teilen des Berichts über die ursprünglichen Ziele hinaus gegangen, andererseits gibt es keine Vorstellungen, wie sich geplante Veränderungen im Spitalswesen auf das Gesamtsystem auswirken und man außerhalb der Spitäler darauf reagieren sollte.“ Auf die Leistungserbringer in der nie-dergelassenen Praxis würden erheb-liche Mehrarbeit und Mehrbelastung zukommen. „Wir sind grundsätzlich dafür, dass man die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens und mögliche Effizienzsteigerungen diskutiert“, betont Pjeta. Aber das vorliegende Konzept würde in seinen Schlussfolgerungen in vielen Bereichen in die falsche Richtung gehen und Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung bringen.
„Vielfach kommt es derzeit zu Einweisungen in ein Krankenhaus, weil die extramuralen Einrichtungen zur Betreuung fehlen. Diese müssen erst aufgebaut und finanziert werden“, ergänzt Dr. Peter Niedermoser, Vizepräsident der Ärztekammer für Oberösterreich. „Das heißt, die Kosten würden mit dem jetzigen Konzept nur aus dem Spital hinaus verschoben werden.“ Auch Soziallandesrat Josef Ackerl fürchtet durch die geplanten Umwandlungen von Akut- in Pflegebetten bzw. die einem Bettenabbau folgende Verlagerung in die extramurale Betreuung eine Verschiebung der Kosten in den Sozialbereich. Dies würde gerade für Gemeinden noch größere finanzielle Belastungen bringen sowie die regionalen niedergelassenen Strukturen massiv überfordern. Er verlangt außerdem die Einbeziehung der mobilen pflegerischen, therapeutischen und sozialen Dienste in ein Gesamtkonzept.

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