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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ärztezentren statt Ambulanzen und Ambulatorien

Spitalsambulanzen sollen aus der Krankenhausstruktur organisatorisch herausgelöst und als unabhängige Ärztezentren von niedergelassenen und Spitalsärzten gemeinsam geführt werden.

„Wir wollen nicht nur Kritik an den inhaltsarmen Vorschlägen der Politik in Sachen Gesundheitsreform üben, sondern auch umsetzbare Vorschläge machen“, argumentiert Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Kurie der Niedergelassenen Ärzte in der Steiermark. In enger Kooperation mit Ärzten aus dem Spitalsbereich wurde ein umfassendes Konzept entwickelt. Ein wesentlicher Punkt darin ist der Schnittstellenbereich zwischen Spital und der Versorgung durch niedergelassene Ärzte. „Hier gelte es, die strukturbedingte Kluft zwischen diesen Bereichen zu überwinden“, so der Kurienobmann. Die Ambulanzen sind aus Sicht der Ärzte ein wirtschaftlicher Klotz am Bein der Spitalserhalter. Pruckner ist davon überzeugt, „dass durch diese Ärztezentren eine Brücke zwischen Spitälern und den Praxen niedergelassener Ärzte geschaffen wird“. Engere Kooperationen wären aber auch bei Gemeinschaftspraxen möglich sowie durch gegenseitige Konsiliarverträge bzw. Raum- und Gerätenutzungsvereinbarungen. Das Konzept könnte ebenso für die bisherigen Kassen-ambulatorien Anwendung finden.

Erweiterung bei freier Arztwahl

So würde die viel gewünschte und auch notwendige Intensivierung zwischen intra- und extramural tätigen Ärzten massiv gefördert, anstatt nur wieder Patienten in die Spitäler zu lotsen. Beitragen würde die Neureglung zu einer deutlichen Verminderung von Doppeluntersuchungen – insgesamt ergebe sich eine wesentliche Effizienzsteigerung. „Für die Patienten bedeutet das hohe Qualität und eine Erweiterung der freien Arztwahl“, ist Dr. Dietmar Bayer, Präsident der Ärztekammer für Steiermark, überzeugt.„Ärztliche Kooperationen, vor allem jene im Schnittstellenbereich, müssten jedenfalls durch entsprechende Kassenverträge un-terstützt werden“, betont Dr. Jörg Pruckner. Deutlich verbessert werden solle auch die Situation der Wahlärzte, die im bestehenden System mehr Aufgaben übernehmen könnten. Gefordert wird unter anderem eine Angleichung der von der Sozialversicherung refundierten Ausgaben der Patienten an die Kassentarife.

Koordination von Entlassungen

„Mit diesem Positionspapier schaffen wir auch ein Gegengewicht zu den Reformideen, die am grünen Tisch in politischen Büros entstanden sind", spielt Bayer auf die aktuellen Sparpläne, z.B. in Oberösterreich, an. Im umfassenden Konzept wird unter anderem auch eine Standardisierung der Einweisungen in Krankenhäuser vorgeschlagen bzw. ein besseres und gemeinsam geplantes bzw. umgesetztes Entlassungsmanagement. Gefordert wird für Letzteres das Einsetzen von Koordinatoren, die den gut vorbereiteten und reibungslosen Kontakt zwischen Spital, Hausarzt, pflegerischen und sozialen Anbietern sowie sozialen Netzwerken und den Angehörigen sicherstellen. Betont wird weiters die zentrale Rolle des Hausarztes als Koordinator, insbesondere mit nicht ärztlichen Leistungserbringern. Auch hier müssten Kommunikation und Koordination vereinheitlicht, aber auch entsprechend honoriert werden. Dazu könnten auch die Möglichkeiten der Telemedizin mit elektronischer Krankengeschichte und anderem mehr beiragen. Im Spitalsbereich orten die Steirer Einsparungspotenziale durch Zusammenlegungen im EDV-Bereich sowie beim Einsatz von Generika. Dies dürfe nicht allein von den niedergelassenen Ärzten gefordert werden. Abgeschlossen wird das Papier durch eine Liste von Forderungen an die Gesundheitsagenturen, unter anderem der Abschluss von strategischen Zielvereinbarungen mit allen regionalen und überregionalen Partnern in der Gesundheitsversorgung.

Das Positionspapier finden Sie online unter www.aekstmk.or.at/recht/allgemeines/gesundheispolitischepositionen.pdf

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