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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Forderung nach Heimarzt erneuert

Maximal 18 Wochenstunden sollten Heimärzte für koordinative Tätigkeiten zuständig sein. Dadurch könne die Betreuungsqualität in Alten- und Pflegeheimen weiter verbessert werden, argumentiert die Standesvertretung.

Derzeit leben in Oberösterreich etwa 11.200 Personen in 113 Alten- und Pflegeheimen. „Der Anteil der Bewohner der Pflegestufen 4 bis 7 hat sich zwischen 1996 und 2003 auf 49 Prozent fast verdoppelt“, analysiert Dr. Otto Pjeta, Präsident der Ärztekammer für OÖ. Stark gestiegen sei auch der Anteil der Menschen mit Demenz bzw. jener, die künstlich ernährt werden müssen. „Bei der Betreuung dieser Menschen geht es immer stärker auch um medizinische Fragen“, so Pjeta. Die Strukturen der Heime seien aber in vielen Bereichen nicht an diese massiven Veränderungen angepasst worden. Dies habe immer wieder Überforderungen der Mitarbeiter zur Folge. Außerdem seien „Ärzte viel zu wenig oder gar nicht bei der Entscheidung eingebunden, ob jemand in einem Heim aufgenommen wird bzw. wie dort seine konkrete Betreuung aussieht“, kritisiert Pjeta.

Ein positives Beispiel

Dass dem nicht überall so ist, berichtet Dr. Erwin Rebhandl. Er ist nicht nur Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, sondern auch Hausarzt in Haslach, wo er gemeinsam mit einem Kollegen das Alten- und Pflegeheim betreut. „Dieses hatte früher einen krankenhausähnlichen Status, dadurch gibt es nach wie vor eine entsprechende apparative Ausstattung“, sagt Rebhandl. Es sei auch selbstverständlich, „dass wir im Team eingebunden sind“. Regelmäßig finden Besprechungen sowohl zur Weiterentwicklung des Heimes als auch zur Situation einzelner Patienten statt. „Diese Strukturen sind gewachsen, an anderen Orten fehlen aber fördernde Rahmenbedingungen“, so der Allgemeinmediziner. In Haslach funktioniere die intensive interdizsiplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, diplomiertem Pflegepersonal, Altenfachbetreuern und anderen sehr gut. Vor allem im geriatrischen Bereich hält Rebhandl diese Kooperation für einen wichtigen Qualitätsfaktor.

Ein negatives Beispiel

Ähnlich sieht das Dr. Kurt Roitner, Allgemeinmediziner in Braunau: „Diese wichtige Teamarbeit darf aber nicht dem Zufall überlassen sein.“ Zusammen mit anderen Kollegen aus der Region bemühte er sich lange Zeit darum, ärztliches Wissen in das Neubauprojekt eines Heimes einzubringen. „Die Antworten, die wir erhielten, lassen sich in einem Satz zusammenfassen: ‚Wir sind nicht zu einer Kooperation verpflichtet“, bedauert Roitner. Genau das soll sich durch die Implementierung von Heimärzten ändern, die bis maximal 18 Wochenstunden für koordinative Tätigkeiten zuständig sein sollten. So könnten sie sich unter anderem in Fragen der Weiterentwicklung der Heimstandards sowie im Management von Medikamenten und Heilbehelfen einbringen. „Erhalten bleiben muss natürlich die individuelle Betreuung durch den Hausarzt“, so der Kammerpräsident. Scharf reagiert er auf Aussagen von Soziallandesrat Josef Ackerl, der dieses Vorhaben für unfinanzierbar hält. „Die Einführung des Heimarztes sowie eine bessere appa-rative Ausstattung von Heimen würde Kosten sparen“, ist Pjeta überzeugt. Beispiele aus Niederösterreich hätten gezeigt, „dass sich durch die Tätigkeit eines Heimarztes die Zahl der Spitalseinweisungen stark reduzieren lässt“. Kritik am erneuten Vorstoß der Ärztekammer kommt auch von Seiten der Arge der Heimleiter. Ihr Vorsitzender Martin König erwartet sich „durch die nur stundenweise Anwesenheit eines Heimarztes keine Verbesserung“.

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