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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Chirurgen befürchten Qualitätsminderung

Die von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat angekündigten neun Gesundheitsagenturen und 32 Gesundheitsregionen führen für den Berufsverband der Chirurgen (BÖC) und die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie (ÖGC) zu stark steigenden Kosten, mehr Administration und weniger Qualitätssicherung in der Chirurgie. Dies hätte auch für Patienten unerwünschte Konsequenzen.

134 chirurgische Abteilungen gibt es in Österreich. Deren Qualität ist laut den Vertretern von ÖGC und BÖC, Prof. Dr. Rudolf Roka und Prim. Dr. Franz Stöger, im Durchschnitt gut. „Allerdings sind strukturelle Mindestanforderungen, wie etwa Labor- und Röntgenuntersuchungen rund um die Uhr sowie die Möglichkeit von Schnellschnitten zur sicheren Diagnostik von Krebserkrankungen, derzeit nur in rund zwei Drittel aller Krankenhäuser möglich“, erklärte Stöger bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese bildeten jedoch die Basisvoraussetzungen jedes chirurgischen Qualitätsmanagements. Genaue Zahlen existieren bis dato allerdings nicht. Bisherige Versuche, eine einheitliche Qualitätssicherung für alle chirurgischen Abteilungen einzuführen, wie sie §5 Bundeskrankenanstaltengesetz seit 1994 vorschreibt, stießen aufgrund unterschiedlicher EDV-Systeme in vielen Krankenhäusern an ihre Grenzen. Auch der erhöhte Zeitaufwand ist für die Chirurgenvertreter problematisch.

Die LKF-Dokumentation kostet Zeit und Geld

„Schon die durch das LKF notwen-dige Dokumentation erfordert viel Zeit und Geld“, erklärte Stöger. „Zusätzliche Fragebögen auszufüllen, ist oft schon zeitlich gar nicht möglich.“ Eine Zusammenlegung von LKF-Dokumentation und Qualitätssicherung war bisher aufgrund von Softwareproblemen nicht möglich. Wenig Hoffnung auf eine verbesserte Qualitätssicherung bietet die von Rauch-Kallat vorgeschlagene Strukturreform im Gesundheitswesen, meinen Stöger und Roka. „Der Aufbau von neun Gesundheitsagenturen und 32 Gesundheitsregionen kostet viel Geld und erhöht nur den administrativen Aufwand“, kritisiert Roka. „Dadurch werden der Qualitätssicherung und natürlich auch der Patientenbehandlung weitere Budgetmittel entzogen.“

Reformen zugunsten Qualität

Dass eine Gesundheitsreform erforderlich ist, stellen die Chirurgenvertreter dabei nicht in Abrede. Sie sind allerdings der Ansicht, dass eine einzige Gesundheitsagentur für ganz Österreich Sinn machen würde. „Die dadurch erzielten Einsparungen könnten dazu dienen, österreichweit Qualitätsstandards in der Medizin zu ermöglichen“, sagte Stöger.

Vergleiche ermöglichen

„Eine Strukturreform des Gesundheitswesens soll eine einheitliche Qualitätssicherung für alle chirurgischen Abteilungen in ganz Österreich vorschreiben“, fordert auch Roka. Derzeit bestehen zwar Qualitätssicherungssysteme in den einzelnen chirurgischen Abteilungen, diese seien aber höchst unterschiedlich, was direkte Vergleiche unmöglich mache. Die Sinnhaftigkeit einer einheitlichen Qualitätssicherung vom Neusiedler- bis zum Bodensee soll eine Untersuchung über Komplikationen bei Gallenblasen-Operationen unter Beweis stellen, die im September 2004 an fünf chirurgischen Abteilungen beginnt und ab 1. Jänner 2005 an allen chirurgischen Stationen durchgeführt werden soll. Internationalen Studien zufolge treten bei Cholezystektomien in 0,5 Prozent aller Fälle Gallengangsverletzungen während der Operation auf. Übertragen auf Österreich bedeutet dies, dass bei 22.000 Gallenblasen-Operationen mehr als hundertmal im Jahr eine solche Verletzung vorkommt. Die von den Chirurgenverbänden geplante Untersuchung soll die Häufigkeit von Reoperationen pro chirurgischer Abteilung feststellen und damit österreichweit Qualitätsmaßstäbe in der Chirurgie vorlegen. „Es geht darum, feststellen zu können: Wo stehe ich mit meiner Abteilung, wo gibt es Verbesserungsbedarf?“ erklärte Roka. „Die Qualitätssicherung muss eine wichtige Rolle in der Gesundheitsreform spielen“, plädierte Stöger. „Nur mit einer qualitätsgesicherten Chirurgie können wir auch Kosten sparen.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 28/2004

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