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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Pensionspoker der Ärztekammer

Viele Ärzte haben mit 65 Lebensjahren erst 36 Berufsjahre hinter sich. Daraus ergäbe sich ein Pensionsanspruch von nur 64 Prozent des durchschnitt-lichen Einkommens.

Ehe der Zug der Pensionsharmonisierung endgültig abgefahren ist, geht die Standesvertretung in die Offensive. Viele Ärzte leisten im selben Zeitraum wesentlich mehr Arbeitsstunden als Angehörige anderer Berufsgruppen. Deshalb sollten laut Dr. Dietmar Bayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), bei der Pensionsbemessung auch die belastenden Arbeitsbedingungen mit Nachtdiensten und die überdurchschnittlich hohe Wochenarbeitszeit in Krankenhäusern berücksichtigt werden. „In unseren besten Jahren arbeiten wir bis zum Umfallen“, so Bayer bei einer Pressekonferenz in Wien. Bei einer durchschnittlichen Studienzeit von 16 Semestern und oft mehrjährigen Wartezeiten auf eine Ausbildungsstelle beginnen die meisten Ärzte erst mit 29 zu arbeiten. Bis zum vorgesehenen regulären Pensionsalter von 65 Jahren kommen sie auf nur 36 Berufsjahre. Um den maximalen Pensionsanspruch von 80 Prozent ihres Lebens-Durchschnittseinkommens zu erreichen, wären aber 45 Arbeitsjahre nötig. Ein Ausgleich dieser Differenz sollte durch die Anerkennung der geleisteten Arbeitsstunden (Lebensarbeitszeit) und nicht nur der Berufsjahre erfolgen.

Ergebnisse einer Ärzteumfrage

Laut einer ÖÄK-Umfrage arbeiten Ärzte in Krankenhäusern statt 40 durchschnittlich 60 Stunden pro Woche, also um 50 Prozent mehr. Dies begründe laut Bayer die Forderung, dass der zur Pensionsbemessung herangezogene jährliche „Steigerungsbetrag“ bei Spitalsärzten um die Hälfte erhöht wird – von 1,78 auf 2,67 Prozent. Er solle allerdings nicht bei allen Nachtdienst leistenden Spitalsärzten zur Anwendung kommen, sondern lediglich bei jenen mit besonders vielen Nachtschichten. Die Begrenzung des maximalen Pensionsanspruchs mit 80 Prozent des Durchschnittseinkommens und der derzeit möglichen Höchstpension von 2.400 Euro steht für die Standesvertretung außer Frage. Dennoch hätte eine Umsetzung dieser Forderung eine massive Erhöhung der Pensionsansprüche zur Folge. Wie diese Forderung finanziert werden soll, lässt die Ärztekammer offen. Eine Erhöhung der Beiträge für Ärzte lehnt Bayer ab. Der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Dr. Harald Mayer, fordert angesichts der Leistungen der Ärzte für die Allgemeinheit eine Finanzierung über das Umlagesystem: „Da soll sich die Politik was einfallen lassen.“ Den Standesvertretern geht es explizit nicht um die Einbeziehung der Ärzte in die Schwerarbeiterregelung. Vielmehr können sie sich die Anwendung dieses „Lebensarbeitszeitmodells“ auch in anderen Branchen mit hohem Nachtarbeits-Anteil vorstellen. Verhandlungen über das Ärzte-Modell mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, den Bayer in Sachen Pensionsharmonisierung als „Hardliner ohne soziales Augenmaß“ erachtet, sollen folgen.

H. Hauser/APA, Ärzte Woche 28/2004

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