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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Interdisziplinäre Hospizarbeit

Bei der Betreuung von Menschen in der letzten Lebensphase stoßen Hausärzte mitunter auf Grenzen. Professionelle mobile Angebote machen ihnen die Arbeit leichter.

Menschen in der letzten Lebensphase sowie ihre Angehörigen „haben Sehnsucht nach Sicherheit. Also nach einer kontinuierlichen Betreuung, die möglichst von vertrauten Personen ausgeführt werden soll“, fasst Mag. Ulrike Pribil Erhebungen zusammen. Sie ist Leiterin der Abteilung Mobiles Hospiz, Palliative Care der Caritas in Oberösterreich. „Nur sehr selten geht es darum, dass jemand ständig unmittelbar vor Ort ist. Doch das Gefühl, dass jederzeit jemand erreichbar ist, gibt Sicherheit und Rückhalt.“ Das erlebt auch der Trauner Arzt für Allgemeinmedizin, Dr. Wolfgang Brandstätter, so: „Schmerzspitzen halten sich nicht an die Dienstzeiten, und es ist auch für uns Hausärzte entlastend, zu wissen, dass kompetente Personen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.“ Patienten und Angehörige erwarten sich darüber hinaus Fachwissen gepaart mit Einfühlungsvermögen. „Bei jedem Patienten wird ein anderes, auf die jeweilige Situation und die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmtes, interdisziplinäres Team zusammengestellt. Ein erster und wichtiger Ansprechpartner ist der Arzt“, erklärt Pribil.

Brandstätter nimmt bei dieser Art der Kooperation vor allem die Vorteile wahr: „In diesen Teams sind Personen mit sehr guter Ausbildung etwa zum Pflegebereich, speziell für palliative care. In diesem Bereich bekommen wir Ärzte in der Ausbildung nur sehr wenig mit.“ Wenn jeder seine Fähigkeiten einbringe, sei eine optimale Betreuung rund um die Uhr möglich. „Manche Kollegen meinen, sie müssten sich von Krankenschwestern oder anderen Berufen nichts sagen lassen“, bedauert Brandstätter. „Ich sehe das aber vielmehr als Chance, vom Wissen anderer zu profitieren und gemeinsam für Patienten und Angehörige das Beste zu erreichen.“„Wenn ein Hausarzt es will, können wir in das jeweilige Team auch einen Spezialisten für Palliativmedizin einbeziehen“, ergänzt Pribil, die zudem auf die enge und gute Kooperation mit stationären Hospizstationen hinweist. Das mobile Hospiz der Caritas selbst hat an drei Stützpunkten zehn hauptberufliche sowie 73 ehrenamtliche Mitarbeiter und bietet seine Dienste kostenlos an.

„Gar nicht wenige Angehörige wollen viel von der Pflegearbeit selbst übernehmen, haben aber manchmal das Gefühl, alles falsch zu machen“, berichtet Pribil. Dafür seien auf die Situation zugeschnittene Tipps im Sinne eines individuellen Case-Managements hilfreich. Dazu gehören auch die Einbeziehung der oft unterschätzten Ressourcen von sozialen Netzwerken vor Ort sowie die Koordination der nötigen mobilen medizinischen und sozialen Unterstützung.„Vor allem für diesen Bereich muss ausreichend Zeit eingeplant sein“, betont Pribil. In vielen Fällen ließe sich so die Überweisung in ein Krankenhaus oder ein Alten- und Pflegeheim ganz vermeiden bzw. fielen Aufenthalte dort sehr kurz aus. Pribil sieht in dieser Art der Betreuung auch eine nachhaltige Möglichkeit, Ressourcen im Gesundheitswesen sinnvoll einzusetzen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 25/2004

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