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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Mehr Gehör für Anliegen der Patienten

Die Zahl der Patientenbeschwerden nimmt österreichweit zu. Oberösterreich verzeichnete vor zwei Jahren die bisher stärkste Beschwerdewelle und reagiert mit einer Personalverstärkung und neuen Kompetenzen der Patientenvertretung.

Im Jahr 2002 wurde in Oberösterreich ein Höchststand an Beschwerden verzeichnet, 503 Personen wandten sich an die Patientenvertretung. Im Vorjahr waren es 488, doch der Gesamttrend zeigt weiter nach oben. Das sieht auch Dr. Otto Pjeta, Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer, so: „Einige Patienten haben schlicht falsche Erwartungen: Sie meinen, die Medizin könnte alles reparieren und es wäre auch nach schwerwiegenden Erkrankungen nichts mehr spürbar.“

Grenzen der Altersmedizin

Mit zunehmendem Alter gebe es aber immer mehr Bereiche, die nicht nach dem klassischen Prinzip Krankheit – Diagnose – Therapie funktionieren, sondern die Lebensqualität trotz mancher Beschwerden in den Vordergrund tritt. „Wenn man bedenkt, dass es pro Tag etwa 80.000 Kontakte von Ärzten mit Patienten gibt, ist die Zahl der Beschwerden nicht besorgniserregend“, so Pjeta. Nach Prüfung durch die Patientenvertretung stellen sich etwas mehr als 40 Prozent der Fälle – 2003 waren es 43 Prozent – als nicht gerechtfertigt heraus. „Aber auch in diesen Fällen ist es wichtig, den Sachverhalt zu klären“, betont Dr. Jakob Gratzer, der noch die Geschäfte der Patientenvertretung leitet und dessen Nachfolger derzeit gesucht wird. Gefördert wird die Aussprache zwischen Arzt und Patienten und das Wiederherstellen des Vertrauensverhältnisses. In insgesamt 76 Prozent der Fälle wurde ein Vergleich zugunsten der Patienten erreicht und über 760.000 Euro Schadenersatz ausbezahlt. 61 Fälle hat die mit Jahresbeginn 2003 eingerichtete „Entschädigungskommission“ behandelt und an 44 Personen insgesamt 238.000 Euro ausgezahlt. Auch diese Kommission wird vom Vorsitzenden der Patientenvertretung geleitet. In den letzten Jahren wurde angesichts der stark gestiegenen Fallzahlen und der neuen Tätigkeit in der Kommission von Seiten der Patientenvertretung immer wieder eine Aufstockung des Personals sowie eine bessere Verankerung als Institution gefordert. Mit Erfolg, denn demnächst wird der Landtag eine personelle Aufstockung beschließen. Außerdem werden die neuen Mitarbeiter der Patientenvertretung Bedienstete des Landes sein und nicht mehr nur pauschale Aufwandsentschädigungen bekommen. Mit der Novellierung der Patientenvertretung wird auch die Amtsdauer der Mitglieder auf die Zeit einer Legislaturperiode anstatt wie bisher drei Jahre festgelegt.

Interessenskonflikte vermeiden

Gratzer begrüßt zwar die Aufwertung der Patientenvertretung, warnt aber vor Interessenskonflikten, die sich durch die Landesanstellung ergeben können: „Immerhin ist das Land auch gleichzeitig Spitalserhalter.“ Er könnte sich ein Modell wie beim Landes-Umweltanwalt vorstellen, der dezidiert weisungsfrei ist. Für die Tätigkeit der Entschädigungskommission wünscht sich Gratzer bundesweit einheitliche Normen, um mehr Spielraum für die Gewährung von Entschädigungen zu bekommen.

Aufgabenbereich erweitert

Mit der personellen Aufstockung wird auch der Aufgabenbereich der Patientenvertretung ausgeweitet. Auf jeden Fall soll sie künftig ebenso Anlaufstelle für Personen sein, die in Alten- und Pflegeheimen leben. Überlegt wird außerdem eine Ausweitung auf Patienten von niedergelassenen Ärzten. Pjeta hält die Ausweitung auf den Heimbereich für einen guten Schritt, „im niedergelassenen Bereich fallen aber vergleichsweise wenig Beschwerden an“. Diese würden von der Schlichtungsstelle der Ärztekammer sehr gut erledigt, die schon in den letzten 13 Jahren sehr gut mit der Patientenvertretung kooperiert habe. Gratzer wiederum legt Wert darauf, dass die „oberösterreichische Lösung“ mit Ärzten in der Patientenvertretung unbedingt aufrecht bleibt. Gutachten, die sich sonst über Monate ziehen würden, können so innerhalb von maximal 14 Tagen erstellt werden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 24/2004

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