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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Ärzte promoten „Obst mal 5“

„Obst mal fünf“ empfehlen Allgemeinmediziner in einem Tiroler Bezirk der Bevölkerung. Die vor vier Jahren gestartete Kampagne greift, so das vorläufige Resümee der Initiatoren.

Zu Projektbeginn im Jahr 2000 lag in den erhobenen Regionen von Imst und Landeck der Verzehr von Obst oder Gemüse bei 3,36 Portionen pro Tag. Inzwischen ist dieser Wert auf 4,29 Portionen gestiegen und nimmt weiter zu. „Als wir begonnen haben, waren nicht einmal sechs Prozent der Bevölkerung überzeugt, dass täglich fünf Portionen Obst oder Gemüse konsumiert werden sollten, um die Gesundheit zu erhalten“, berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Markus Lau, der für den Arbeitskreis für Vorsorgemedizin in Tirol, avomed, das Projekt koordiniert und umgesetzt hat.„Eines der Projektziele ist, die Sterblichkeitsrate durch Zivilisationserkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden und Schlaganfälle zu reduzieren“, so Lau. Vermehrter Konsum von Gemüse und Obst verringere das Risiko für koronare Herzerkrankungen um bis zu 40 Prozent und jenes für Schlaganfälle um 25 Prozent. Das Krebsrisiko von Personen, die wenig Obst und Gemüse essen – etwa 1,3 Portionen am Tag – sei doppelt so hoch wie das jener Personen, die bis zu fünf Portionen täglich verspeisen. Vorbeugende Effekte ergeben sich auch für Diabetes und Bluthochdruck.

Obst- und Gemüsebörsen

Dass die Menschen rund um sowie in Imst und Landeck mehr Obst und Gemüse essen, führt Lau vor allem auf die breit angelegte Informationsarbeit zurück. Diese lief vorwiegend über regionale Medien sowie direkt beim Gemüseverkauf. Personal im Lebensmittelhandel, an Obst- und Gemüseständen wurde im Lauf des Projektes speziell geschult. Außerdem wurden Bauernmärkte sowie ortsinterne Obst- und Gemüsebörsen erweitert bzw. neu geschaffen. Das Angebot rundeten Workshops und Vorträge ab, Folder und Plakate wurden aufgelegt, eine Hotline sowie eine umfassende Web-Site eingerichtet, auf der sich auch viele Rezepte und Ernährungstipps finden. Eingebunden in das Projekt waren auch die niedergelassenen Ärzte für Allgemeinmedizin; in deren Ordinationen Informationsmaterial aufgelegt wurde. „Beim Thema Ernährung sind Hausärzte wichtige Multiplikatoren“, ist Lau überzeugt. Als positiv wertet er den Trend, dass einige Ärzte diplomierte DiätassistentInnen angestellt haben, die vorwiegend in der Sekundärprävention tätig sind.
„Die Allgemeinmedizin könnte wesentlich mehr Akzente im Bereich der Gesundheitsförderung setzen“, betont Lau. „Allerdings wird von den Kassen die dafür erforderliche umfassende individuelle Beratung nicht ausreichend finanziert.“ In Tirol gebe es zwar Dorfgesundheitswochen, an denen die Allgemeinmediziner mitwirken, doch liege der Fokus dabei eher auf Risikogruppen. Institutionalisierte und gut geplante Informationsarbeit wäre aber auch für Gesunde wichtig. Lau: „Das Projekt ‚Obst mal fünf’ zeigt deutlich, wie viel Potenzial hier noch brach liegt.“

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