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Gesundheitspolitik 19. September 2016

USA wird pro Hanf

Hanfkonsum.Der Anteil der Cannabis-Konsumenten ist in den USA um ein Drittel gestiegen – die Zahl der Abhängigen blieb konstant.

ÄZInzwischen ist in den USA der Marihuana-Konsum zu medizinischen Zwecken in 24 Staaten erlaubt – in einigen kann man auch straffrei zu nichtmedizinischen Zwecken kiffen. Es würde also wenig überraschen, wenn der Anteil der Cannabiskonsumenten nach solchen Legalisierungen deutlich steigt. Glaubt man Umfrageergebnissen, trifft das tatsächlich zu, auch scheinen die Freunde eines gepflegten Joints öfter als früher zur Tüte zu greifen. Anscheinend paradox: Cannabismissbrauch und -abhängigkeit werden nicht häufiger als früher beobachtet.

Die US-Behörde National Institutes of Health (NIH) führt alljährlich einen nationalen Drogen-Survey durch, bei dem rund 50.000 repräsentativ ausgewählte erwachsene US-Bürger aus sämtlichen Bundesstaaten nach ihrem Drogenkonsum befragt werden. Im Blickpunkt stehen dabei nicht nur Marihuana, sondern auch andere legale und illegale Sucht- und Rauschmittel.

Das Team um Dr. Wilson Compton aus Bethesda interessierte sich in einer aktuellen Auswertung des Surveys jedoch primär für den Cannabiskonsum und seine Auswirkungen ( Compton WM et al., Lancet Psychiatry 2016 ). Sie schauten sich dabei die Survey-Daten in den Jahren 2002 bis 2014 an. Insgesamt waren dabei knapp 600.000 US-Bürger befragt worden.

Interessant war für die NIH-Experten vor allem die Entwicklung ab 2007. Damals begannen viele Bundesstaaten, ihre Regelungen zu Cannabis zu lockern.

32 Millionen Cannabiskonsumenten

Wie die Forscher um Compton zeigen konnten, nahm der berichtete Cannabiskonsum mit den gesetzlichen Lockerungen tatsächlich zu. Auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet hatten nach diesen Daten im Jahr 2014 rund 32 Millionen US-Bürger Gras geraucht, 1,4 Millionen zum ersten Mal. Mehr als verdoppelt hatte sich die Zahl der Personen mit täglichem oder fast täglichem Cannabiskonsum, und zwar von 3,9 auf 8,4 Millionen.

Nicht so richtig in dieses Bild passt jedoch der relativ konstante Anteil der Personen mit einer Abhängigkeit oder einem Marihuana-Missbrauch nach DSM-IV-Kriterien. Er liegt bei etwa 1,5 Prozent der Befragten, und daran hat sich über die zwölf Jahre hinweg nichts geändert. Bei den Cannabiskonsumenten sank sogar der Anteil derer mit einem bedenklichen Konsum von 14,8 Prozent in 2002 auf 11 Prozent im Jahr 2014.

In Bezug auf die gestiegene Zahl der Konsumenten vermuten die Forscher um Compton: Ist der Cannabiskonsum illegal, werden viele nicht zugeben, dass sie gelegentlich eine Tüte rauchen – das Misstrauen gegenüber einer staatlich organisierten Umfrage dürfte recht hoch sein. Mit der Legalisierung gibt es jedoch keinen Grund mehr, seinen Drogenkonsum zu verschweigen.

Zunächst einmal hat also lediglich der Anteil von US-Bürgern zugenommen, die einen Cannabiskonsum zugeben. Ob tatsächlich auch der Anteil der Cannabisraucher gestiegen ist und ob diese heute mehr rauchen als früher, steht in den Sternen. Das ist wie immer ein großes Manko solcher Umfragen.


Thomas Müller/PK

, Ärzte Woche 38/2016

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