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© abaca / picture alliance
Omran Daqneesh, 5, wurde bei einem Luftangriff auf Aleppo verletzt. Die Attacke ging auf das Konto Russlands oder des Assad-Regimes.
 
Gesundheitspolitik 23. August 2016

Keiner traut sich mehr ins Spital

Syrien-Konflikt. Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz für die Krankenhäuser in der Stadt Aleppo.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat auf die verheerende Verschlechterung der medizinischen Versorgung in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo verwiesen. „Die Situation ist wirklich katastrophal. Die Krankenhäuser sind überladen mit Kriegsverletzten“, sagte der Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Volker Westerbarkey, am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk.

Da schon längere Zeit keine Lieferungen mehr möglich seien, gebe es nicht ausreichend Verbandsmaterial. Laut Westerbarkey mangelt es etwa an Beatmungsgeräten. „Aber auch ganz einfache Operationen wie eine Blinddarmoperation oder ein Kaiserschnitt sind kaum möglich, weil einfach die notwendigen Materialien nicht mehr vorhanden sind.“ Der Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen machte auf die verheerende Sicherheitslage von Krankenhäusern in Aleppo aufmerksam: „Die Menschen fürchten sich vor Krankenhäusern, weil sie wissen, dass sie dort einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, als wenn sie zuhause bleiben.“ Er forderte alle Kriegsparteien auf, den Schutz der medizinischen Einrichtungen und der Versorgungswege zu gewährleisten.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuletzt angeregt, medizinische Hilfsgüter über den Luftweg nach Aleppo zu bringen, solange der Landweg versperrt ist. Die Vorsitzende der Organisation Save the Children, Helle Thorning-Schmidt, machte auf die katastrophale Lage der Kinder in Aleppo aufmerksam. 100.000 Kinder seien „in großer Gefahr“, sagte die frühere dänische Ministerpräsidentin in London. „Sie haben keinen Zugang zu Trinkwasser, keine Nahrung, Probleme einen Unterschlupf zu finden“, sagte Thorning-Schmidt. Auch sie verwies darauf, dass Krankenhäuser bombardiert würden.

Vielerorts gebe es kein sauberes Wasser. Daraus folgten Krankheiten wie Durchfall, woran ohnehin geschwächte Kinder sterben könnten, sagte Thorning-Schmidt. Mitarbeiter von Save the Children vor Ort berichten nach ihren Angaben, dass mindestens ein Drittel der Verletzten Kinder seien.

Kampf in der Rebellen-Hochburg

Die Konfliktparteien in Syrien kämpfen um die Kontrolle über die zweitgrößte Stadt des Landes. In Aleppo kontrollieren Rebellen seit dem Jahr 2012 mehrere östliche Viertel. Die Regierungstruppen haben die Zufahrtswege zu den Vierteln abgeschnitten, sodass rund 250.000 Menschen dort ohne Versorgung eingeschlossen sind. Im Ostteil der Stadt sollen lediglich noch 35 Ärzte arbeiten.

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