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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Neues EU-Netzwerk für Prionen-Forschung

Die EU startet ein neues Forschungs-Netzwerk für Prionen-Erkrankungen, zu denen unter anderen der Rinderwahnsinn BSE oder die bei Menschen vorkommende neue Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (vCJD) zählen.

Mit 52 Labors in 20 Ländern vereint das Netzwerk 90 Prozent der europäischen Forscherteams, die sich mit Prionen und den dadurch verursachten Erkrankungen beschäftigen, heißt es in einer Aussendung der Kommission. Beteiligt daran ist auch der führende Prionen-Forscher in Österreich, Prof. Dr. Herbert Budka, Vorstand des Klinischen Instituts für Neurologie der Medizin-Universität Wien.

Geld nur für Koordination

EU-Forschungskommissar Philippe Busquin hat das Netzwerk Ende Mai in Paris vorgestellt. Die EU stellt dafür 14,5 Millionen Euro für fünf Jahre zur Verfügung. Dieses Geld steht ausschließlich für die Koordination der Zusammenarbeit zur Verfügung, die eigentliche Forschungsarbeit sei damit noch nicht abgedeckt, zeigte sich Budka im Gespräch mit der Austria Presse Agentur ein wenig enttäuscht über das Netzwerk. „Damit ist es sicher nicht getan, das kann erst der Anfang sein“, erklärte der Neurologe, der für ein integratives EU-Forschungsprojekt über Prionen eintritt, das deutlich höher dotiert wäre und direkt Forschungsvorhaben unterstützen würde.
Dass das Thema Prionen durchaus noch brisant ist, auch wenn BSE und CJD seit einiger Zeit wieder aus den Medien und damit der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden sind, zeigen jüngste Forschungsergebnisse: So haben französische Forscher Scrapie-Erreger im Muskelfleisch von Schafen – und damit erstmals Prionen im Muskelfleisch einer Tierart, die von Menschen gegessen wird – nachgewiesen. Einer weiteren aktuellen Studie britischer Forscher zufolge könnten mehrere tausend Menschen in Großbritannien unwissentlich Träger der vCJD sein. Und ebenfalls britische Wissenschafter wiesen kürzlich auf die Möglichkeit der Übertragung von vCJD durch Blutkonserven hin.

Zuverlässige Tests fehlen noch

Das Szenario, dass Millionen Menschen durch den Verzehr von Prionen-verseuchtem Rindfleisch dahinsiechen, sei glücklicherweise nicht eingetreten. Doch nun schlage das Pendel in Form von nach-lassendem Interesse in die andere Richtung aus, erklärte Budka. Dabei sieht der Wissenschafter „im Gesundheitsbereich noch eine Menge Probleme vor uns, die noch nicht gelöst sind“. Dazu gehöre beispielsweise das Fehlen von Tests, die das verlässliche Erfassen infizierter Menschen oder Tiere zu Lebzeiten erlauben, die weiterhin bestehende Unklarheit über die Natur der Erreger sowie die Notwendigkeit, durch schwierige und teure Maßnahmen die Bevölkerung vor der weiteren Ausbreitung der vCJD durch Übertragung von Mensch zu Mensch, etwa über Blut, zu schützen. Budka weist zudem darauf hin, dass die Arbeiten der Prionen-Forscher auch Wissen für andere Bereiche, etwa für Alzheimer oder andere degenerative Erkrankungen, schaffe.

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