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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Diskurs um uroonkologische Rehabilitation in Salzburg

In Salzburg läuft derzeit eine intensive Diskussion um das nötige Ausmaß rehabilitativer Maßnahmen nach massiven urologischen Eingriffen. Die Standpunkte liegen weit auseinander.

„Der postoperativen Betreuung uroonkolgischer Patienten wird viel zu wenig Bedeutung beigemessen“, beklagt der Facharzt für Urologie Dr. Gerhard Holzmayr, der in einer Privatklinik in Bad Dürrnberg tätig ist. „Operativ-technische Fragestellungen stehen aufgrund der Ausbildungsschwerpunkte im Vordergrund.“ Bereiche wie Lebensqualität, umfassende Nachbetreuung oder die Einbeziehung sozioökonomischer Faktoren kämen zu kurz. Öfter als angenommen treten laut Holzmayr postoperative Probleme auf: Wundheilungsstörungen, Lymphozelen, Lymphödeme, Bauchwandherien oder Infektionen. Deren Nachbehandlung würde im akut-stationären oder ambulanten Bereich „zu viele Kräfte binden, die für die Primärversorgung wichtig sind“, so Holzmayr. Ideal wäre die „oft sehr aufwändige und in kurzen Zeitabständen nötige“ Nachbehandlung in einer spezialisierten Einrichtung, wo Spezialisten etwa eine optimale Stomaversorgung garantieren könnten.
Ähnliches gelte für Komplikationen nach Zystektomie sowie bei postoperativer Inkontinenz oder Impotenz. „Nur etwa 10 Prozent der radikal prostatektomierten oder zystektomierten Patienten bleiben potent“, meint Holzmayr. Viel Zeit und Raum müsste für die Behandlung und Begleitung psycho-immuno-onkologischer Probleme sein, was oft nicht der Fall wäre. Das gelte ebenso für sozioökonomische Probleme wie Fragen der Berentung, Wiedereingliederung ins Berufsleben, Sozialfürsorge und anderes mehr.

Umfrage von Selbsthilfegruppe

„All diese Probleme können die Lebensqualität von primär zufriedenstellend versorgten Patienten im Nachhinein erheblich einschränken“, fasst Holzmayr zusammen. Umfragen auf Web-Sites von Selbsthilfegruppen hätten ergeben, dass mehr als 40 Prozent der prostatektomierten Patienten mit der Therapie rückblickend unzufrieden waren. Ebensoviele würden nach radikaler Prostatektomie an Inkontinenz leiden, 90 Prozent unter postoperativer erektiler Dysfunktion und Libidostörung. Klinik oder Niedergelassene?
„Der behandelnde Urologe müsste eine stationäre Weiterbehandlung in einer Klinik mit rehabilitativem Schwerpunkt mit gleichem Nachdruck vertreten wie die Primärtherapie“, fordert Holzmayr. Niedergelassene Urlogen hätten für die nötige umfassende Nachbetreuung, vor allem bei Inkontinenz, zuwenig Ressourcen sowohl im Hinblick auf Ausstattung als auch Zeit. Nach dem Aufenthalt in einer Reha-Klinik würde eine solche Betreuung viel besser und einfacher laufen. „Es geht also nicht um eine Konkurrenz, sondern eine Kooperation, von der alle Beteiligten profitieren“, meint Holzmayr. Anders sieht die Thematik der Fachgruppenobmann der Salzburger Urologen, Dr. Walter Hauser, für den Früherkennung und rechtzeitige Therapie im Vordergrund stehen: „Seit Jahren wird dies gefördert, weil damit auch spätere Komplikationen minimiert werden.“ Die radikale Prostatektomie wird in Salzburg nur an den urologischen Abteilungen der Landeskliniken und des Spitals der Barmherzigen Brüder in Salzburg durchgeführt. „Diese erzielen auch im Vergleich mit internationalen Studien exzellente postoperative Ergebnisse“, betont Hauser.
Aus seiner Sicht seien postoperative Hernienbildung, Wundheilungsstörungen, Thrombosen, Pneumonien etc. selten: „In der operierenden Abteilung oder beim niedergelassenen Urologen werden Probleme wie Lekage, Harnröhrenenge, Harnwegsinfekt, Dysurie und andere optimal versorgt.“ Dasselbe gelte für postoperative Harninkontinenz, die nur fünf Prozent der Patienten betreffen würde. Spezielle psychosomatische Rehabilitation würde nur ein geringer Prozentsatz benötigen. „Über 60 Prozent der jungen radikal prostatektomierten Patienten sind postoperativ erektionsfähig“, ergänzt Hauser. Voraussetzung dafür sei eine durch Früherkennung mögliche nervenerhaltende Operation. Falls Probleme auftauchten, wären diese beim niedergelassenen Facharzt „in den besten Händen“. „Negative Pauschalbeurteilungen einer ganzen Fachgruppe aus den eigenen Reihen aufgrund von Einzelfällen sind für uns sehr befremdend“, kommentiert Hauser Holzmayrs Aussagen.

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