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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Kärntner Ärzte wehren sich gegen Transitbelastung

Vor allem Kindern setzt die zunehmende Verkehrsbelastung gesundheitlich zu. Die Ärztekammer nimmt die Landesregierung in die Verantwortung.

Die Kärntner Standesvertretung lässt nicht locker. „Wir Ärzte sind auch dazu verpflichtet, auf Umstände hinzuweisen, welche die Menschen krank machen. Ein immer größerer Risikofaktor ist der dramatisch zunehmende Straßenverkehr“, betont Dr. Othmar Haas, Präsident der Kärntner Ärztekammer. Eine verstärkte Belastung orten die Kärntner Ärzte vor allem durch den Bau der zweiten Röhre des Katschberg- und Tauerntunnels. „Damit würde noch mehr Straßenverkehr nach Kärnten gelockt werden“, meint Haas.

Zu hoher Lärmpegel

Schon jetzt wären bei vielen Patienten gesundheitliche Schäden durch Lärm und Luftverschmutzung festzustellen. Betroffen sind nicht nur die Zentralräume, sondern immer stärker die Bewohner der Gemeinden entlang den Transitstrecken. „So wurde das Liesertal – einst Musterbeispiel für gesunden Lebensraum – zu einem traurigen Studienobjekt von gehäuft auftretenden Krankheitssymptomen“, berichtet Dr. Karl Schlögl, Arzt für Allgemeinmedizin in Spital an der Drau. „Wir stellen bei immer mehr Kindern Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis oder Asthma aufgrund der Schadstoffkonzentration in der Luft fest.“ Ebenso nehmen bei Kindern Hörschäden und Schlafstörungen aufgrund des ständigen Lärmpegels, vor allem in der Nacht, zu. Erwachsene erkranken immer häufiger an Atemwegsleiden und Herz-Kreislaufstörungen als Konsequenz des Dauerlärms. „Ab einem Dauerpegel von 45 bis 55 Dezibel treten nachweisbar Schlafstörungen auf“, betont der Umweltarzt Dr. Dieter Schmidt. Dieser Belastung sind heute schon viele Bewohner entlang der Tauernautobahn ausgesetzt.

Grenzwerte oft überschritten

All diese Gesundheitsprobleme würden noch drastischer ausfallen, denn in den nächsten 15 Jahren wird eine Verdreifachung des Straßenverkehrs prognostiziert. „Die Grenzwerte der Lärmbelastung werden, wie der Autobahnerhalter, die Asfinag, zugibt, heute schon überschritten“, kritisiert Haas. Neben den direkten gesundheitlichen Konsequenzen durch schadstoffbelastete Luft und den Lärm sollten zudem die Langzeitfolgen durch alle Schadstoffe und Schwermetalle einkalkuliert werden, die sich im Grundwasser sowie im Erdboden und in den Nahrungsmitteln anreichern. Die Kärntner Ärztekammer sieht angesichts dieser Fakten dringenden Handlungsbedarf der Landesregierung. Ende Mai fand ein Treffen mit Vertretern der Politik statt. Beschlossen wurde eine künftige Partnerschaft „Verkehr für Menschen“, in der der Vorsorgegedanke in verschiedenen Projekten, wie etwa Fahrgemeinschaften oder Bewegungskindergärten, propagiert und mit der Raumordnung die Probleme in den Ballungsräumen angegangen werden soll. Eingefordert wurden weiters begleitende wissenschaftliche Erhebungen zu Luft- und Lärmbelastung. Umweltlandesrat Gerhard Dörfler versprach, sich für drei weitere Umweltmessstellen im Umfeld der A10 Tauernautobahn einzusetzen. Am Bau der zweiten Tauernröhre führe aber kein Weg vorbei, der Verkehr würde auch ohne diese zunehmen. Versprochen wurde, moderne Belüftungssysteme einzusetzen und die Emissionsverhältnisse bei den Portalen genau zu kontrollieren.

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