zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 23. November 2005

Sex sollte sicher sein

Neue Darreichungsformen für hormonelle Verhütung, die Dauerbrenner Pille und Kondom: Sie sollen ungewollte Schwangerschaften verhindern. Informationen über Schutz in der Sexualität werden in Österreich von kirchlichen Kreisen aber immer noch erschwert. Kürzlich wurde gegen ein Inserat in einem Magazin interveniert, das von der Verlagsleitung dann tatsächlich nicht mehr geschaltet wurde.

„Es gibt immer noch große Lücken im Wissen um die adäquate Verhütung“, sagt Dr. Christian Fiala, Gynäkologe und ärztlicher Leiter des Gynmed-Ambulatoriums in Wien. „Um ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren, muss daher das Wissen über die Kontrazeption erhöht und der Zugang zu Verhütung erleichtert werden.“

Informationsbedarf besteht

Eine Umfrage, die im Krankenhaus Korneuburg unter 912 Frauen, die zu einem Schwangerschaftsabbruch kamen, durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass nur 6,7 Prozent dieser Frauen mit der Pille, 8,4 Prozent mit einem Präservativ und mehr als die Hälfte gar nicht verhütet hatten. „Aus diesen Erfahrungen leiten wir unseren Auftrag ab, uns vehement für umfassende Verhütungsinformation einzusetzen“, erklärte Fiala anlässlich eines Pressegespräches in Wien. Dies sei auch der Grund für ein Inserat gewesen, das unter anderem im ÖAMTC-Club-Magazin AutoTouring veröffentlicht wurde. Unter dem Titel „Sex sollte sicher sein“ wird in der Anzeige über verschiedene Verhütungsmethoden und die Pille danach informiert. Nach heftigen Interventionen verschiedener fundamentalistischer katholischer Gruppen, wie etwa Amici di Dio, St. Josef sowie Human Life International (HLI), gegen die Einschaltung (nachzulesen auf www.diestandard.at) entschied die Magazinleitung von AutoTouring, das Inserat nicht mehr zu veröffentlichen.

Ärzte in Sorge

„Ich bin erschrocken“, sagt die Kinderärztin und neue Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, Dr. Sabine Oberhauser, „dass eine Story wie diese zu derartigen Reaktionen führt. Wenn wir Schwangerschaftsabbrüche verhindern wollen, müssen wir über Verhütungsmethoden informieren.“ Besonders Jugendliche sollten einen leichteren Zugang zu Verhütungsmitteln haben. „Mädchen brauchen immer noch einen Krankenschein von ihren Eltern, wenn sie zum Frauenarzt wollen, um sich die Pille oder eine andere Form der Verhütung verschreiben zu lassen. Kondomautomaten in den Schulen fehlen nach wie vor“, sagt Fiala und bedauert, dass es „bei keinem schulärztlichen Dienst in Österreich die Pille danach gibt, wie das etwa in Frankreich selbstverständlich ist“.

Pille danach nicht rezeptfrei

In acht europäischen Ländern ist diese Form der Notfallverhütung mittlerweile rezeptfrei erhältlich, Österreich gehört nicht dazu. „Hier besteht Nachholbedarf“, sagt auch Oberhauser und fügt hinzu: „Trotz aller Möglichkeiten wird es immer wieder auch ungewollte Schwangerschaften geben.“
In Österreich gilt seit fast 30 Jahren die Fristenregelung, die einen Schwangerschaftsabbruch bis zum dritten Monat explizit straffrei stellt. Radikalen kirchlichen Kreisen ist die Fristenlösung schon lange ein Dorn im Auge. So sieht auch Fiala in der Ablehnung des Berichts in AutoTouring einen Angriff
gegen sein Institut, das auch Schwangerschaftsabbrüche durchführt: „Ein ideologischer Zugang zu diesem Thema bessert die Situation der betroffenen Frauen in keiner Weise. Vielmehr wird ihnen damit ein schlechtes Gewissen eingeredet und der Zugang zu Prävention sowie zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch erschwert.“ Auch Oberhauser deklariert sich klar zur Fristenlösung: „Wir haben in Österreich Gesetze, und diese sollten eingehalten werden.“ (siehe auch Kommentar)

Sabine Fisch, Ärzte Woche 21/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben