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© (2) Martin Burger
Cpt. Stefan Dürager landet auf dem Dach des UKH Meidling. Vom Helikopter verdeckt: das Franz-Josef-Spital.

Dürager und Prim.Fialka: Erstversorgung in weniger als 1 h.

 
Gesundheitspolitik 27. Juli 2016

Seit 1956 gesteckt voll

Vor 60 Jahren wurden am Wienerberg die ersten Unfallopfer versorgt. Schon damals mit Luftunterstützung.

Noch sind die AUVA-Standorte nicht zu einem Superspital verschmolzen, den 60er feiert man am UKH Meidling noch standesgemäß mit einer Leistungsschau des Hauses.

Kapitän Stefan Dürager fliegt mit seinem ÖAMTC-Rettungshubschrauber Christophorus 6 aus Wiener Neustadt kommend noch eine Schleife über den Wienerberg und setzt dann sanft auf dem Dach des UKH Meidling auf. Neugierig beobachten Medizinstudenten die Landung – oder ist ihr Interesse mehr der Anwesenheit des ärztlichen Leiters des Spitals, Prof. Dr. Christian Fialka, geschuldet?

Fotografen und Kameraleute sind tatsächlich neugierig, doch sie haben scheinbar noch nie etwas vom Downwash (Abwind) einer Hubschrauberlandung gehört. Immerhin: Vom Dach des 60 Jahre alten, generalüberholten Unfallkrankenhauses wurde keiner geweht.

Für Dürager eine leichte Übung, im Gegensatz zu Landungen auf anderen Wiener Spitalsdächern: „Wenn ein starker Wind vom Süden her kommt, dann kann das schon interessant sein zum Anfliegen.“ Normalerweise hätte er Meidling nicht angesteuert, „denn heute ist das Spital gesteckt voll.“

Macht aber nichts, denn die Landung ist Teil der 60-Jahr-Feier des Hauses am Wienerberg.

In alten Zeitungsausschnitten des Spitals, in denen das Haus wegen seiner Bauweise als „Y am Wienerberg“ bezeichnet wird und die aus Anlass des Jubiläums überall im Haus affichiert sind, ist zu erkennen, dass schon Fialkas Vorgänger mit Unfallopfern am Boden und aus der Luft beliefert wurden. Fialka selbst leitet das Spital seit 2012.

Christophorus 6 wird später an diesem Tag wieder abheben – es geht gen Süden, zum Formel-1-Ring. Dort seien zwei Hubschrauber im Einsatz. Ein gewiss kostspieliges Investment in die Sicherheit, meint ein Arzt. Doch es treffe ja keinen Armen.

Stichwort Finanzen: Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) hat das vergangene Jahr mit einem Verlust von 41 Millionen Euro abgeschlossen. Als Grund dafür führt die AUVA die Senkung des Beitragssatzes an.

2014 hatte die AUVA mit 14 Millionen erstmals einen Bilanzverlust hinnehmen müssen. Die Senkung des Beitragssatzes zur Unfallversicherung für Unternehmen von 1,4 auf 1,3 Prozent ist mit 1. Juli 2014 in Kraft getreten. Deshalb hat der Einnahmenverlust für die AUVA erst im Jahr 2015 voll durchgeschlagen und rund 90 Millionen Euro ausgemacht. Mit dem Bilanzverlust von 41 Millionen habe man diesen Einnahmenentfall um mehr als die Hälfte reduzieren können, erläutert AUVA- Obmann Anton Ofner.

Immer wieder ist in Wien von der Verschmelzung oder Schließung von AUVA-Standorten die Rede. Machbarkeitsstudien wurden in Auftrag gegeben, ein Großspital geisterte durch die Gazetten und Nachrichtensendungen.

Ofner sagte in einem Kurier- Interview vor wenigen Wochen, dass die Reha schon am Krankenbett beginne. Das UKH Meidling mit seiner Nähe zum Schwerpunktkrankenhaus Franz-Josef-Spital scheint gut aufgestellt, doch sei die Entscheidung, ob Standorte verkleinert oder geschlossen werden, „noch nicht gefallen“.

So eine 60-Jahr-Feier ist daher nicht nur eine runde Sache, sondern auch eine gute Gelegenheit für den amtierenden Spitalsleiter, die eigene Leistungsfähigkeit in die Auslage zu stellen.

Europäischer Spitzenwert

Der Standort Meidling biete unfallchirurgische Versorgung auf europäischem Spitzenniveau, sagt Fialka. Es sei gelungen, durch ein ausgeklügeltes Konzept und laufendes Training die durchschnittliche Zeit, die die Patienten im Schockraum verbringen, deutlich zu reduzieren – bei kontinuierlich hoher Qualität der Versorgung. Bedeutet: Derzeit dauere die Erstversorgung durchschnittlich 47 Minuten. „Ein Spitzenwert, wie wir aus der Teilnahme am Europäischen Trauma-Register wissen. Das wertvollste Medikament ist Zeit, man spricht von der goldenen Stunde des Schocks beim Patienten.“ (siehe Bericht auf S. 25).

Das UKH Meidling ist das aufgrund der Patienten- und Operationsfrequenz größte Unfallspital Österreichs. Jährlich werden rund 63.000 Patienten behandelt, davon rund 7.500 stationär. Der stationäre Tag kostet 570 Euro. Knapp 25 Prozent aller Verletzungsopfer im Wiener Raum werden im Meidling behandelt. Es stehen 142 Betten zur Verfügung, die fast hundertprozentig ausgelastet sind. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 7 Tage. Im AUVA-UKH Meidling sind insgesamt rund 435 Personen beschäftigt, davon 70 Ärzte sowie 232 Pflegerinnen und Pfleger.

In den Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler (beide in Wien) werden Entlassungsbriefe, Radiologiebefunde und Laborbefunde für Patienten in ELGA bereitgestellt. Die vier Rehabilitationszentren der AUVA haben lesenden Zugriff zu ELGA erhalten.

Frei von Zwängen ist man nur über den Wolken, z. B. bei der freien Wahl des Spitals, das man anfliegen will. Stefan Dürager sagt es so: „Wenn sich einer im Burgenland den Oberschenkel bricht, dann werden wir nicht nach Wien fliegen mit ihm, nur weil er will.“

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