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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Mobile Hausärzte sind gefragt

Der Hausarzt kommt zu seinen Patienten. Diese Form der Betreuung hilft vor allem älteren Menschen, für die in Oberösterreich spezielle „Kompetenzzentren“ zur Verfügung stehen und weiter ausgebaut werden.

„Immer mehr Menschen haben den Wunsch, eine möglichst umfassende Unterstützung vor Ort vorzufinden“, betont Dr. Josef Spindelbalker, Gemeindearzt in Oberneukirchen, Oberösterreich. „Gerade älteren Menschen oder Personen mit psychosozialen Problemen ist eine gewohnte Umgebung wichtig und zum Beispiel auch, dass sie den Arzt nicht wechseln müssen.“ In Spindelbalkers Gemeinde hat das Hilfswerk mit dem „Lebenshaus“ ein innovatives Projekt realisiert.

Projekt „Lebenshaus“

Das „Lebenshaus“ umfasst neun betreubare Wohneinheiten, dazu kommt der „Lebensgarten“, ein betreuter Tagestreff für ältere Menschen. Dieser bietet eine große Bandbreite an Therapie- und Körperpflegeangeboten sowie tagesstrukturierende Veranstaltungen und Aktionen. Unterstützt wird damit, dass Menschen länger in den eigenen vier Wänden leben können und pflegende Angehörige entlastet werden. Im Projekt sind auch eine Eltern- und Familienberatung, eine Kinderspielgruppe sowie die Schülerbetreuung integriert. Außerdem gibt es drei Mietwohnungen für junge Familien. Ein weiterer Bestandteil sind zwei Wohngemeinschaften für jeweils fünf Menschen mit Behinderungen, die vom Diakoniewerk betreut werden. „Als sehr positiv habe ich erlebt, dass die Ärzte der Region und andere Institutionen von der gesamten Entwicklung des Projekts regelmäßig informiert und nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wurden“, so Spindelbalker.

„Gerade für Menschen mit Behinderung sind dezentrale Angebote wichtig“, ergänzt Dr. Gerhard Gäbler, Rektor des Diakoniewerks Oberösterreich. Solche werden auch in anderen Teilen des Landes umgesetzt. „In einigen Orten, z.B. Ried in der Riedmark, suchen wir gezielt den Kontakt mit Angeboten in der Gemeinde, mit Versorgungsstrukturen vor Ort“, so Gäbler. Neben den Wohnhäusern gibt es dort ein für die Bevölkerung nutzbaren Veranstaltungsraum sowie ein „Förderhaus“ mit Räumlichkeiten für Fördergruppen, Therapieangeboten, einer Trainingswohnung und einem Büro.

Freie Arztwahl zählt

Ein wichtiges Element ist die freie Arztwahl. Mit Tagen der offenen Tür und anderen Maßnahmen wird der regelmäßige Kontakt mit der Öffentlichkeit forciert. „Gerade beim Projekt in Oberneukirchen wird der Gedanke der dezentralen Integration vorbildhaft verwirklicht“, meint Spindelbalker. Es würde zu regelmäßigen Begegnungen im Alltag mit Menschen mit Behinderung kommen. Diese leben nicht einfach in irgendeinem Zentrum, wo es nur sehr wenige oder keine Berührungspunkte mit der Region und dem tatsächlichen Lebensort gibt. Auch wenn viel von Dezentralisierung und Auslagerung von Leistungen der öffentlichen Hand gesprochen wird: DGKS Eva Käferböck, Pflegedienstleiterin des OÖ-Hilfswerks, weist darauf hin, „dass es immer wieder zu Situationen kommt, wo wir Menschen um Geduld bitten müssen, weil wir nicht genügend personelle bzw. finanzielle Ressourcen haben“. Dieses Warten erhöht den Druck auf die Familien. Dazu kommt, dass die Zahl jener Pflegebedürftigen steigt, die keine Angehörigen haben oder keine Ressourcen in die Pflege einbringen können oder wollen. An einigen Orten gibt es inzwischen Tagespflegezentren, die z.B. vom Hilfswerk oder von pro mente betrieben werden.

Die Caritas in Oberösterreich plant, ihre Einrichtungen mit betreubarem Wohnen zu Kompetenzzentren auszubauen. Verschiedene Dienste aus dem medizinischen und sozialen Bereich werden dort ebenso anzutreffen sein – also auch bestehende und schon jetzt gut angenommene Angebote, wie die mobile Alten-, Heim- oder Familienhilfe, Logopädie usw.

Kompetenzzentrum Rohrbach

Anfang dieses Jahres wurden in Rohrbach 25 betreubare Wohnungen an die MieterInnen übergeben. Im „Kompetenzzentrum Rohrbach“ wurde auch die Regional- bzw. Einsatzleitung der Mobilen Dienste sowie des Mobilen Hospiz/Palliativ Care untergebracht. Das Haus beherbergt zudem einen Seniorenclub. Besonders wurde darauf geachtet, dass die Einrichtung im Herzen Rohrbachs angesiedelt ist und auch für die Menschen im Ort Impulse bringt. Dies bewirken unter anderem ein Physiotherapeut und ein Tierarzt, die im Gebäude untergebracht sind.

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