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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Duale Diabetesbehandlung in Wien

Um die extramurale Betreuung von Patienten mit Diabetes mellitus in Wien und auch österreichweit zu verbessern, wurde vor mehreren Jahren das Diabetes Care Office (DCO) gegründet.

Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Verein, der sich die qualitätsgesicherte Betreuung von Patienten mit Diabetes mellitus zur Aufgabe gemacht hat und sich für die Verbreitung der strukturierten Diabetesschulung einsetzt. Dr. Heidemarie Abrahamian, OA an der 3. Med. Abt., KH Wien-Lainz, wurde kürzlich zur Präsidentin dieses Vereines gewählt und ist seit Beginn der Amtsübernahme bemüht, durch eine Erneuerung der Prozessstruktur dieses Pilotprojekt in ein fixes Betreuungsmodell zu überführen.

Schulung und Betreuung

Die wesentlichen Kostenträger dieses Vereins sind die Gemeinde Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse. Ziele sind eine Verminderung des Auftretens und der Progredienz diabetischer Spätschäden durch einerseits strukturierte Schulungsprogramme für alle Patienten und andererseits durch qualitätsgesicherte Betreuungsmodelle für diese chronische Krankheit. Die neue duale Struktur – Schulung und Betreuung – dient als Basis für ein gezieltes Disease-Management-Programm für diabetische Patienten. Das Projekt wird auch durch die Wiener Ärztekammer unterstützt.

Neue Projektstruktur

Die Schulung der Patienten soll im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden, wobei die Umsetzung nach wie vor schwierig ist, da die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür nicht in allen Ordinationen vorhanden sind. Diese Strukturprobleme haben zu einer kurzfristigen „Denkpause“ geführt, in der eine neue Projektstruktur erarbeitet wurde.

Das Neue besteht darin, dass in Zusammenarbeit DCO und Wiener Ärztekammer, im Projekt vertreten durch MR Dr. Rolf Jens, Kurienvorsitzender der niedergelassenen Ärzte für Allgemeinmedizin, vorerst über Wien ein Netz von Schulungsorten gezogen wurde, mit denen sich jeder praktische Arzt vernetzen kann. Die Schulungen werden von den niedergelassenen KollegInnen durchgeführt, die Interesse daran haben und auch über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Da diese Ressourcen nicht ausreichen werden, möchte die Präsidentin eine Diabetesschule gründen, an der im Wesentlichen ausgebildete Diabetesberaterinnen unterrichten und auch von Ärzten Vorträge gehalten werden. Dieses Modell würde Ärzte im niedergelassenen Bereich entlasten und ihnen mehr Zeit und Raum für die Betreuung der Patienten geben. Erste Schritte in diese Richtung werden bereits durchgeführt. Geschult wird nach dem Düsseldorfer Modell, wobei der Präsidentin auch die Integration von Elementen des Kommunikationstrainings wichtig ist und dafür NLP (Neurolinguistisches Programmieren) eingesetzt wird.

Betreuung durch Hausarzt

Die Patienten werden von ihrem Hausarzt betreut, egal wo die Schulung absolviert wird bzw. wurde. Der Hausarzt behandelt und managt den Patienten in Hinblick auf alle Erfordernisse im Rahmen einer chronischen Erkrankung im Sinne eines modernen Disease-Managements. Die Betreuung erfolgt nach Evidence-based-Medicine-Kriterien. Das dafür erforderliche Wissen können die betreuenden Ärzte auf der Homepage des DCO generieren. Dort steht eine so genannte Kompetenz-Plattform zur Verfügung, wo nach und nach SOPs, Guidelines (Österreichische Diabetesgesellschaft) und Lectures (verschiedene Vorträge) abrufbar sein werden. Auf einfache Art und Weise kann sich der betreuende Arzt den letzten Wissensstand sozusagen per Knopfdruck in die Ordination holen. Weiters steht über eine Vernetzung mit dem steirischen Modell auch die Cochrane-Library zur Verfügung.

Als Hilfsmittel und auch als Kontrollinstrument für die betreuenden Ärzte wurde ein Formblatt entworfen, das die durchzuführenden Untersuchungen vorgibt und somit eine optimale Betreuung gewährleistet (DCO-Sheet). Über diese Dokumentation erfolgen auch Auswertung, Qualitätssicherungs-Maßnahmen und Benchmarking. Das Projekt läuft in dieser neuen Form derzeit in Wien an und soll jetzt von einem Pilotprojekt-Status in ein fixes Betreuungsmodell überführt werden. Die Honorierung der besonderen Leistungen (Schulung und Betreuung) erfolgt durch die Wiener Gebietskrankenkasse, die Finanzierung des Dokumentationssystems und des Büros durch die Gemeinde Wien. Engmaschige Evaluierungen werden Auskunft über die Fortschritte und Vorteile des Projektes in dieser neuen Form geben.

Homepage: www.undaeterna.com/dco

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