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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Ringen um Chefarztpflicht Neu

Die Ärztekammer möchte die Vorab-Chefarztbewilligungen weitgehend abschaffen. Der Hauptverband hingegen will ökonomisch verschreibende Ärzte bevorzugen.

Laut Gesetz muss es bis Ende März in den Grundzügen eine Einigung zur Neuregelung der Chefarztpflicht geben. Kommt diese nicht zustande, muss der Hauptverband eine Richtlinie erlassen. Das ASVG sieht grundsätzlich vor, dass künftig nicht mehr der Patient, sondern der Arzt die chefärztliche Bewilligung einholen muss. Hauptverbands-Geschäftsführer Dr. Josef Probst: „Der Gesetzgeber hat klar zum Ausdruck gebracht, was er will. Das haben wir zu tun.“ Zusatz: „Das ist auch gescheit.“ Im Hauptverband werden derzeit zwei Modelle diskutiert. Beim „retro-graden Modell“ würden jene Ärzte von der Chefarztpflicht befreit, die in der Vergangenheit „ökonomisch“ verschrieben hätten. Beim zweiten Modell würden die Zahlen aus der Vergangenheit nicht berücksichtigt. Jeder Arzt, der wolle, könne sich verpflichten, ökonomische Überlegungen einzuhalten. Die Chefarzt-Befreiung würde dann vorerst für zwei Jahre erteilt. Halte sich der Arzt nicht an die Verpflichtung, verliert er die Befreiung wieder.

Kammer gegen Bonus-System

„Die Ärztekammer lehnt solche Bonus-Systeme entschieden ab“, sagt Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Er befürchtet mehr Bürokratie, Verwirrung bei den Patienten und die Förderung von „Billigmedizin“. Der Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, Dr. Jörg Pruckner, erläutert das Ärztekammer-Modell: Danach würde die bisherige Chefarztpflicht durch umfangreiche „Diagnoseregelungen“ ersetzt. Das seien genaue Angaben und Vorgaben, bei welchen Diagnosen und für welche Risikogruppen Medikamente verordnet werden können. Sein Vorschlag sieht auch keine Facharzt-Beschränkung mehr vor. Die Chefärzte würden dann erst im Nachhinein die eine Kontrollfunktion übernehmen – mit Sanktionsmöglichkeiten, wie Pruckner erläuterte. Die klassische Chefarztpflicht würde es nur mehr in Ausnahmefällen geben.
Voraussetzung für diese so genannte „Indikations-Regelung“ sei aber die Erstellung eines neuen IND-Verzeichnisses für Medikamente, das auch regelmäßig gewartet werden müsse. Pruckner geht davon aus, dass mit diesem Modell auch die jährlichen Kostensteigerungen auf vier bis fünf Prozent beschränkt werden könnten. Brettenthaler: „Wir sind überzeugt, dass dieses Modell effizienter ist.“ Probst meinte in einer ersten Stellungnahme, er kenne diese Überlegungen noch nicht, sei aber „überrascht“, dass die Ärztekammer vor den Verhandlungen damit an die Öffentlichkeit gehe.

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