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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ein Modell in der Krise

In den Niederlanden haben so gut wie alle Einwohner einen festen Hausarzt. Er überweist sie an Fachärzte und Spitäler („Gatekeeper“). Jeder Hausarzt betreut im Durchschnitt 2.200 Personen und erhält für sie eine Kopfpauschale (Staffelung nach Alter der Patienten und sozialem Umfeld) und zusätzliche Vergütungen für bestimmte Einzelleistungen. Die Versicherten können den Hausarzt wechseln, dieser ist jedoch nicht verpflichtet, neue Patienten zu nehmen. Die fachärztliche ambulante Behandlung erfolgt fast ausschließlich in Krankenhäusern, wo auch freiberufliche Fachärzte ordinieren. Weniger als die Hälfte der Hausärzte arbeitet in den Niederlanden noch in Einzelpraxen, ein Viertel in größeren Gruppen bzw. Gesundheitszentren. Zentral ausgearbeitete und laufend aktualisierte Leitlinien stellen ein wesentliches Instrument zur Qualitätssicherung dar.

Lange Zeit galten die Niederlande in Europa als Vorzeigemodell für die hausärztliche Versorgung, das sich einer hohen Akzeptanz bei Patienten, Ärzten, Krankenkassen und Staat erfreute. Durch den allgemeinen Kostendruck ist dieses System aber in jüngster Zeit in die Krise geraten. Die personelle und finanzielle Knappheit führte zu langen Wartezeiten für bestimmte Krankenhausbehandlungen und Pflegeheimaufnahmen. Die Allgemeinmediziner leiden unter Arbeitsüberlastung und die Patienten kritisieren, dass sie die Hausärzte immer öfter nicht frei wählen können. Es wird auch über zu wenige Fachärzte für den wachsenden Bedarf geklagt.

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