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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Hörgeräteversorgung mit Hindernissen

Etwa 15 Prozent der Österreicher würden Hörgeräte benötigen, „davon sind maximal ein Viertel versorgt“, berichtet Dr. Peter Reisenberger, Sprecher der Fachgruppe der HNO-Fachärzte in der Österreichischen Ärztekammer.

Die Auswahl, Anpassung und optimale Einstellung eines Hörgeräts ist nicht mit dem Einsatz von Heilbehelfen wie einer Brille vergleichbar. „Erst bei der Nachuntersuchung ist feststellbar, ob das gewählte Gerät tatsächlich eine Verbesserung bringt“, so Reisenberger. Seit Jahren gibt es teils heftige Auseinandersetzungen zwischen Ärzten und Hauptverband, wann der Verordnungsschein auszustellen ist. Viele Ärzte machen dies erst dann, wenn das Gerät bereits im Einsatz ist und sich in einer Probezeit von gesetzlich festgelegten vier Wochen bewährt hat.

Streitpunkt Verordnungsschein

Mit 1. Jänner 2003 wurde aber ein neuer Gesamtvertrag zwischen Hauptverband und Hörgeräte-Akus-tikern gültig. „Die Ärzteschaft wurde vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisiert Reisenberger. Laut neuem Vertag muss der Facharzt für HNO den Verordnungsschein sofort ausstellen. „In einer aktuellen Ergänzung wird zwar betont, dass eine Nachkontrolle durch den HNO-Arzt wünschenswert ist, aber mit dem Vertrag zwischen Hauptverband und Akustikern wird dies nicht gefördert“, so Reisenberger. Er ortet in der neuen Regelung noch andere schwerwiegende Probleme. So sei festgehalten, dass die Kosten für die Beratung, das Ohrpassstück, die Schale und Einstellung mit dem Patienten privat zu verrechnen sind, wenn das Gerät nicht passt. „Dass heißt, die Firma verzichtet entweder auf das Geld, um den Kunden nicht zu vergraulen, oder sie übt starken Druck aus, dass er es doch behalten soll“, folgert Reisenberger. Damit sei zu befürchten, dass viele Geräte in der Schublade verschwinden.

Im Gesamtvertrag sind auch Qualitätskriterien festgehalten, wie die Ausstattung eines Hörgeräte-Akustikers aussehen muss, wenn er die Effektivität des Gerätes testen will. Vorgeschrieben ist eine audiometrische Ausrüstung inklusive schalldichter Kabine – Kostenpunkt mindestens 50.000 Euro. Das hätten noch einige Betriebe umgesetzt, so Reisenberger und wäre „ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung“. Vorgeschrieben ist aber auch eine Öffnungszeit von 20 Stunden an fünf Tagen in der Woche, die von einem Akustikmeister zu betreuen sind. „Diese Qualifikation gibt es erst seit einigen Jahren“, berichtet Reisenberger, „viele in der Branche haben aber eine fundierte Ausbildung und Erfahrung, der Betrieb hat sich aber oft die Kosten für die Meisterprüfung gespart.“

Diese Kombination an Auflagen führt zu einer Ausdünnung der Versorgung mit Hörgeräte-Akustikern, besonders im ländlichen Raum, was eine Verschlechterung der Versorgungs- und Betreuungsqualität bedeutet. Dazu kommt, dass die Krankenkassen bei der Bezahlung von Hörgeräten „an sich schon teils übertriebene und unerfüllbare Auflagen haben“ (Reisenberger). Die Kasse behält sich eine Prüfung vor, ob das Gerät tatsächlich eine Verbesserung der Hörleistung um zumindest 20 Prozent bringt. Dies wird mit Tests geprüft, bei denen z.B. 20 Worte verstanden werden müssen. „Wird nur eines zu viel falsch verstanden, gilt das teils schon als Grund, die Bezahlung zu verweigern“, so Reisenberger.

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