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Gesundheitspolitik 13. Juni 2016

Meldepflicht für Zika

Auch für Österreich gefordert.

Für eine Zika-Meldepflicht nach dem Muster Deutschlands und der Schweiz spricht sich der Generalsekretär der Weltföderation für Neurologie (WFN) Prof. Dr. Wolfgang Grisold aus. Die möglichen schwerwiegenden neurologischen Konsequenzen einer Infektion, die weit über die viel zitierte Mikrozephalie hinausgehen, werden unterschätzt.

Mehr als ein Dutzend Zika-Fälle wurden in Deutschland allein im Mai, seit Einführung der Meldepflicht für Arboviren, registriert. In der Schweiz sind seit der Einführung der Meldepflicht im März 16 Zika-Fälle verzeichnet worden. „Für Österreich haben wir solche Daten nicht. Aber schon in Erwartung von zunehmenden Fallzahlen durch Reisende in der bevorstehenden Urlaubssaison und dem epidemiologischen Risiko durch die Olympischen Spiele wäre eine solche systematische Erfassung aller Fälle auf Basis einer Meldepflicht auch in Österreich wünschenswert“, so Grisold, Vorstand der Neurologischen Abteilung des Sozialmedizinischen Zentrums Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital mit Gottfried von Preyer’schem Kinderspital. „Es ist anzunehmen, dass wir in Europa einen Anstieg importierter Zika-Fälle sehen werden, wenn tausende Athleten und Fans aus Rio zurückkehren werden.“

Die WFN in London hat kürzlich eine eigene Arbeitsgruppe zu den aktuellen Entwicklungen rund um das Zika-Virus eingerichtet. Dies aus gutem Grund: Während zwar viele Infizierte einen milden Krankheitsverlauf oder keine Symptome zeigen, sind alle schweren Komplikationen neurologischer Natur. „Und dies betrifft keineswegs nur die schweren Missbildungen im Gehirn und Nervensystem von Föten, die nach Zika-Infektionen in der Schwangerschaft auftreten können“, so Grisold, der auch Mitglied der WFN-Arbeitsgruppe ist. „Viel weniger bekannt ist, dass Zika-Infektionen auch bei Erwachsenen zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen führen können, etwa dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS).“ So zeigte erst kürzlich eine im Fachjournal Lancet veröffentlichte brasilianische Studie, dass ein Kontakt mit dem Zika-Virus das GBS-Risiko um das 60fache erhöht.

www.wfneurology.org

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