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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Ambulante Krisenhilfe im Pongau

Aufbauend auf Erfahrungen aus der Stadt Salzburg wurde im Pongau eine ambulante Krisenintervention aufgebaut. Niedergelassene Ärzte als wichtige Kooperationspartner haben davon auch eine Entlastung zu erwarten.

„Ein großer Teil der psychosozialen Versorgung im Pongau wird von niedergelassenen Ärzten für Allgemeinmedizin oder Psychiatrie abgedeckt; bei Letzteren gibt es allerdings wochenlange Wartezeiten auf einen Termin“, analysiert Josef Demitsch. Er ist Leiter einer im Mai eröffneten „Ambulanten Krisenintervention“ der pro mente Salzburg in St. Johann im Pongau. „Anders als in der Stadt, gibt es hier kaum stationäre oder ambulante Angebote für Menschen in akuten psychosozialen Krisensituationen oder für die psychiatrische Nachbetreuung“, so Demitsch.

Hemmschwelle senken

„Gerade bei Patienten mit psy-chosozialen Krisensituationen ist die Nähe ein wichtiger Faktor für eine gute Betreuung. Je größer die Entfernung, desto höher die Hemmschwelle, eine solche auch anzunehmen“, betont Dr. Rudi Greil, Arzt für Allgemeinmedizin in Großarl. Er ist Teil eines Netzwerks zur Suizidprävention in seiner Region (siehe Kasten).„Wir bieten eine unmittelbare Unterstützung für den Umgang mit akuten Not- und Krisensituationen“, beschreibt Demitsch das Angebot der Krisenintervention, die das Land Salzburg finanziert. „Mit den KlientInnen werden gemeinsam Lösungsstrategien erarbeitet. Es geht um die Rückgewinnung individueller Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit sowie die Motivation zu längerfristigen Behandlungskonzepten. Das sind auch wichtige Beiträge zur Suizidprävention.“
Einbezogen, beraten und unterstützt werden dabei alle verfügbaren sozialen Ressourcen und Bezugspersonen. Im Team arbeiten Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter, die durch spezielle Schulungen, Supervision und Besprechungen mit einem psychiatrischen Konsiliararzt unterstützt werden. Zielgruppe der Einrichtung sind neben Menschen in akuten seelischen Krisen auch Personen mit akuten psychiatrischen Krankheitsbildern, chronisch psychisch Kranke, bei denen durch Belastungssituationen krisenhafte Umstände auftreten, sowie Menschen mit Lebensveränderungskrisen oder Krisen aufgrund physischer und/oder psychischer Überlastung. Unterstützung für Ärzte
Kooperiert wird mit der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg und dem Krankenhaus in Schwarzach, mit Psychotherapeuten, Ärzten für Allgemeinmedizin und Psychiatrie, psychosozialen Diensten, regionalen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen, Rettung und Exekutive. „Ärzte können uns jederzeit anrufen, wenn sie bei der Behandlung eines Patienten Unterstützung benötigen“, betont Demitsch. Wenn der Betroffene zustimme, könnten auch Informationen über den Verlauf der Betreuung in der Krisenintervention weitergegeben werden. Vorstellbar seien auch gemeinsame Gespräche mit Patienten.“ Greil erwartet sich mittelfristig eine Entlastung für die Hausärzte durch das neue Angebot. Ärzte können an die rund um die Uhr besetzte Krisenhotline 06412/20033 verweisen. „Bei uns bekommt jeder umgehend einen Termin. Es ist auch möglich, direkt in das Büro nach St. Johann zu kommen“, erklärt Demitsch. Eine Voranmeldung ist dabei hilfreich, um die Ressourcen planen zu können, sie ist aber keine Vorrausetzung, um rasch Unterstützung zu bekommen.“
Aufgebaut wurde bei diesem Projekt auf die Erfahrungen in der Stadt Salzburg, wo es seit längerem eine Krisenintervention der pro mente (Tel. 0662/43-33-51) gibt. „Dort ist die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln natürlich wesentlich besser“, so Demitsch. „Wir werden genau evaluieren, ob alle, die Unterstützung brauchen, diese auch bekommen können oder ob eine Kombination mit einer mobilen Arbeit nötig ist, wie sie etwa in Oberösterreich sehr erfolgreich läuft.“

Weitere Informationen: Ambulante Krisenintervention Pongau, Hauptstr. 68 – 70, 5600 St. Johann in Pongau. Ambulante Gesprächsmöglichkeiten MO, MI und FR, 13 bis 21.30 Uhr sowie DI und DO, 13 bis 18 Uhr, Krisenhotline von 0 bis 24 Uhr: 06412/20033.

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