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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Gesundheitstipps für gestresste Pendler

Arbeitsmediziner und Hausärzte wissen Bescheid: Manchen Patienten setzt auch die Arbeit gesundheitlich zu. Der „Stress“ beginnt oft schon am Weg zum Arbeitsplatz.

In Österreich brauchen mehr als 600.000 Menschen länger als eine halbe Stunde zum Arbeitsplatz. Etwa eine Million wenden dafür immerhin 15 bis 30 Minuten auf. Pendeln ist jedenfalls für viele Menschen ein fixer Teil der Alltagsrealität. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die langfristigen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit umso stärker sind, je länger die Fahrten dauern. So kann die Herzfrequenz bei Autofahrern bis auf 150 Schläge steigen, aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln wurden Spitzenwerte zwischen 110 und 140 Schlägen gemessen.

Unfallhäufigkeit steigt

Gefördert werden dadurch nicht nur Herz-Kreislauferkrankungen, sondern auch die Unfallhäufigkeit - sowohl auf der Fahrt als auch am Arbeitsplatz. Dazu kommen Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite sowie Magen- und Darmprobleme. Besonders stark werden gesundheitliche Auswirkungen bei der Kombination von Pendeln und regelmäßiger Schichtarbeit.„Pendlern Entspannungs- und Fitnessübungen zu empfehlen, ist jedenfalls realitätsfern und sicher nur ein kleiner Beitrag, um das Problem anzugehen”, stellt Dr. Manfred Lindorfer fest, der als Arbeitsmediziner bei der Chemie Linz und der Firma worklab tätig ist. Letztere führt in ganz Österreich betriebsmedizinische Beratungen und Projekte zur betrieblichen Gesundheitsförderung durch.
„Ein Grundproblem ist, dass mögliche Gesundheitsprobleme oder erhöhtes Unfallrisiko wegen Pendeln von Unternehmen kaum oder gar nicht thematisiert werden“, berichtet Lindorfer. Er sieht hier eine wichtige Aufgabe für Arbeitsmediziner im Sinne der Prävention, aber auch arbeitsmedizinisch tätige Hausärzte könnten die engen Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Arbeitsdruck beziehungsweise damit verbundene Anforderungen wie Pendeln wahrnehmen und thematisieren.
„Der Arbeitsmediziner kann beispielsweise die Einführung von Gleitzeit in einem Unternehmen anregen“, empfiehlt Lindorfer. Denn ein wichtiger Grund für Stress beim Fahren sei die Angst vor Unpünktlichkeit. Auch Maßnahmen gegen langes Suchen eines geeigneten Parkplatzes seien sinnvoll oder die bewusste Förderung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Eine weitere Möglichkeit wäre die institutionalisierte Unterstützung der Bildung von Fahrgemeinschaften. In manchen Unternehmensbereichen könnten Teleworking oder teilweise Heimarbeit Entlastung bringen. Bei Schichtbetrieb wäre zu überlegen, den Beginn der Frühschicht um 7.30 Uhr anzusetzen anstatt, wie so oft, um 5.30. „Dann könnten sich Mitarbeiter eher ausschlafen“, so Lindorfer.
Wenn Arbeitnehmer Belastungen in Kauf nehmen, sollten sowohl Arbeitsmediziner als auch Hausärzte zu einer Änderung der Einstellung anregen. „Wird gestresst losgefahren – immer in allerletzter Minute – wirkt sich das auch auf den Fahrstil bzw. das Gefühlsleben während der Fahrt aus“, nennt Lindorfer ein Beispiel. Als Alternative dazu könnte ein Bus durchaus als angenehmes Reisemittel wahrgenommen werden, mit Zeit, sich auszuruhen oder Gespräche zu führen.

Zehn Minuten Pause tun gut

„Nicht hetzen“ sei generell ein wichtiger Faktor, betont der Arbeitsmediziner. Dies gelte für das Frühstück, aber auch für die Phase des Ankommens. Ärzte könnten darauf hinweisen, dass meist eine Zeitspanne von zehn Minuten ausreicht, um sich zu akklimatisieren, soziale Kontakte zu pflegen und Gelegenheit für eine Stärkung zu haben. „Dies kann natürlich auch gezielt vom Unternehmen gefördert werden“, regt Lindorfer an. Positive Auswirkungen auf die Leistungskurve am Vormittag seien zu erwarten, aber auch weniger Unfälle. Für Personen, die ständig längere Strecken pendeln, empfiehlt der Arbeitsmediziner regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks. Auch Hinweise auf gesunde Ernährung am Arbeitsplatz sollten des öfteren erfolgen. „Beispiele für die positiven Auswirkungen betrieblicher Gesundheitsförderung gibt es genug“, unterstreicht Lindorfer. Dies gelte nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht für den Betrieb.

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