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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Naht das Ende der niedergelassenen Fachärzte?

Haben niedergelassene Fachärzte im künftigen Gesundheitssystem keinen Platz mehr? Andeutungen in diese Richtung sorgen für Empörung.

„Die Umsetzung dieses Planes und die Konzentration der Versorgung durch Fachärzte in den Spitälern kommen einem Kahlschlag der wohnortnahen medizinischen Versorgung gleich.“ So reagierte Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, auf eine Aussage von Michaela Moritz, Chefin des Bundesinstitutes für Gesundheitswesen (ÖBIG). Sie hatte bei einem Kongress die Ansicht vertreten, Facharztpraxen seien „nicht das Konzept der Zukunft“. Der ÖÄK-Präsident forderte nunmehr Bundesministerin Maria Rauch-Kallat auf, sich umgehend und mit allem Nachdruck von diesen Vorstellungen zu distanzieren.
Mit diesem Vorstoß habe Moritz unter Beweis gestellt, dass so genannte Experten für die tatsächlichen, täglichen Erfordernisse einer zeitgemäßen medizinischen Betreuung wegen eines geradezu „monoman übertriebenen Selbstwertgefühls“ keinerlei Verständnis aufbringen könnten. Brettenthaler: „Von den Bedürfnissen der Patienten besteht offensichtlich nicht die geringste Ahnung. Entrückte Zahlenspielereien und abgehobenes Theoretisieren führen zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Bevölkerung.“ Auch die bisherige Analyse der so genannten Gesundheitsagenturen gehe nach Ansicht des ÖÄK-Präsidenten genau in die Richtung, die Moritz und auch der Gesundheitsökonom Christian Köck aufgezeigt hätten, nämlich zur Vernichtung der niedergelassenen Fachärzte. Brettenthaler äußerte im Zusammenhang mit diesem Vorstoß den Verdacht einer „Regierungsgelenkten Aktion“. Moritz und andere Exponenten seien rücksichtslos auf eine Ökonomisierung der Gesundheitspolitik aus, welche die soziale Komponente zunehmend aus den Augen verliere.
Sollte es der Gesundheitsministerin nicht gelingen, glaubwürdig zu versichern, dass es sich hier um einen Einzelgang handle, so sei zu befürchten, dass die Gesundheitspolitik den Weg der verbrannten Erde gehe. „Alles, was wir in letzter Zeit zur Sicherung der Gesundheitsversorgung hören, konzentriert sich auf das Sparen, Zentralisieren und Verstaatlichen. Von den Patienten und ihren Anliegen ist überhaupt nicht mehr die Rede“, so Brettenthaler. Der oberste Standesvertreter warnte eindringlich davor, „die Gesundheitsreform auf die Grundlage der Entsolidarisierung und der Abkehr von den Bedürfnissen der Kranken zu stellen“.

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