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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Notärzte mit Eigeninitiative

Ein Allgemeinmediziner initiierte gemeinsam mit einem Anästhesisten einen Verein, in dem Ärzte mit Notarztdiplom für die regionale Versorgung mit einem Notarzteinsatzfahrzeug sorgen.

In Niederösterreich gibt es derzeit 24 Notarztstandorte, Rotes Kreuz und Samariterbund bekommen für die Sicherstellung der notärztlichen Versorgung auf Basis eines Vertrages mit dem Land knapp 2,5 Millionen Euro jährlich. In der Region rund um den Ort Pögstall leben über 18.000 Menschen. Diese wurden bislang vom Notarztsystem umliegender Spitäler versorgt. Dabei dauerte es oft deutlich länger als die vorgesehenen 15 bis 20 Minuten, bis der NAW vor Ort bzw. bereits an einem anderen Ort im Einsatz war.
Lange wurde auf gesundheitspolitischer Ebene über eine Verbesserung der unbefriedigenden Situation diskutiert, bis Ärzte die Initiative ergriffen. Dr. Ulrich Busch, Wahlarzt für Allgemeinmedizin, hat gemeinsam mit Dr. Rainer Jesenko, Facharzt für Anästhesie am Krankenhaus Waidhofen, im September des Vorjahres eine Gruppe von 30 Ärzten aus dem intra- und extramuralen Bereich aufgebaut. Das „verbindende“ Element dieses „Teams“ ist, dass alle eine Notarzt-Diplom haben. Vor allem aber stellen sie – nicht nur für Niederösterreich einzigartig – ohne direkte Einbindung eines Krankenhauses seit 1. Mai die Einsatzbereitschaft eines entsprechend ausgestatten Notarzteinsatzfahrzeuges, kurz NEF, sicher.

27 Euro pro Stunde für den Arzt

Der Wagen ist in eine Station des Roten Kreuzes integriert und kann im Sommer von 20 bis 6 Uhr und im Winter von 17 bis 6 Uhr ausfahren. Zeitgleich wird ein Rettungswagen alarmiert, der Patienten im Bedarfsfall ins Krankenhaus Melk bringen kann. Die Ärzte werden mit 27 Euro pro Stunde bezahlt; notärztliche Versorgung läuft sonst oft auf ehrenamtlicher Basis. „Ich konnte hier meine Erfahrungen bei der Planung und Einteilung von Notarztdiensten sehr gut einbringen“, so Busch. Das Land trägt die Kosten des Projekts im Ausmaß von etwa 230.000 Euro jährlich. Damit werden auch die Kosten des Einsatzes der Notfallsanitäter abgedeckt.

Gesundheitspolitische Impulse

ch hat zur Umsetzung den Verein „Arge NEF“ aufgebaut, in dem Ärzte aus dem Team vertreten sind: „Wir haben nicht nur die notärztliche Versorgung in einem aus geografischer Sicht schwierig zu versorgenden Gebiet sichergestellt, das Projekt bringt auch eine Reihe weiterer Vorteile und gesundheitspolitischer Impulse.“ Wissenschaftlich dokumentiert wird der gesamte Verlauf einer Zuweisung durch den NEF ins Krankenhaus und der Outcome der Versorgung. Die Arge NEF organisiert auch regelmäßige Qualitätszirkel, Fortbildungsveranstaltungen sowie Angebote zur Rezertifizierung für Notärzte. „Für den Praxisalltag der involvierten Ärzte ergibt sich auch deutlich mehr an Routine und Sicherheit im Bereich der notärztlichen Versorgung“, ist sich Busch sicher. „Zudem werden Ärzte mit solcher Erfahrung viel öfter für Vertretungstätigkeiten herangezogen; gerade für Wahlärzte kann dies sehr wichtig sein.“

Notfall-Trainings für Ärzte

Vorgesehen sind von Seiten des Vereins neben Publikationen auch Notfall-Trainings für die Ärzte der Region. „Die Arge NEF stellt ebenso die reibungslose Kommunikation mit allen regionalen Partnern sicher bzw. sorgt für professionelles Fehlermanagement“, sagt Busch. Das Projekt würde auch einen sinnvollen Einsatz von Landesmitteln auf regionaler Ebene bringen und gleichzeitig eine Stärkung des extramuralen Bereiches. An Spitäler angeschlossene Notarztsysteme würden es sonst notwendig machen, eigene Planstellen, z.B. für Anästhesisten, zu schaffen. Nach wie vor werden weitere Ärzte gesucht, die sich an diesem innovativen Projekt beteiligen wollen.

Kontakt und Information: Ulrich Busch, c/o Ärztezentrum Wachau, Siedlung Erlahof 23, 3620 Spitz /Donau. Tel.&Fax 02713/729-80, E-Mail:

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 19/2004

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